
6.-10. Dezember
Wo sollen wir bloß anfangen? So viele Eindrücke prasseln fast minütlich auf uns ein. Wir versuchen mal, euch einen kleinen Einblick in unsere 5-tägige Galapagosreise zu geben:
Los ging es am Freitag mit dem Shuttle vom Hotel in Quito zum Flughafen. Unser Flug hatte dann direkt eine Stunde Verspätung. Ansonsten verlief der Flug mit Zwischenlandung in Guayaquil recht ereignisarm. Bis zur Landung: 3(!) Versuche benötigte unser Pilot, eh er das Flugzeug sicher auf die Erde brachte. Nach dem zweiten Durchstarten war ich (Linda) fix und fertig mit den Nerven. Ich habe bei der Landung ohnehin immer am meisten Angst, und dann sowas. Auf dem sicheren Boden angekommen, war der Schreck allerdings schnell vergessen. Unsere Reisegruppe samt Guide wartete bereits auf uns und so ging es direkt mit dem Bus zum Hafen und aufs Boot. Das Ankommen gestaltetet sich recht hektisch: Es gab eine kleine Sicherheitseinführung des Guides, dann wurden uns die Kabinen zugeteilt und 5 Minuten später gab es das erste (sehr leckere) Mittagessen und anschießend war auch schon der erste Landgang vorgesehen. Unser Guide Roberto setzte alles daran, uns ordentlich Respekt vor den Seelöwen einzuflößen. Er warnte uns eindringlich, ihnen nicht zu nahe zu kommen und zeigte uns Bilder einer Touristin, die ins Bein gebissen worden war.
Mit dem Dinghy setzten wir über nach Mosquera.

Dort wimmelte es nur so von Seelöwen – an Land und im Wasser. Noch etwas unter Kultur- bzw Naturschock aber überglücklich spazierten wir über die kleine Insel und achteten akribisch darauf, die 2m Sicherheitsabstand zu den Seelöwen einzuhalten. Das war gar nicht so einfach, denn sie lagen wirklich überall herum und wir stolperten geradezu über sie. Nur zwei Mitglieder unserer kleinen Gruppe trauten sich anschließend ins Wasser, um zu Schnorcheln. Wir anderen saßen am Strand und ärgerten uns etwas über unseren Guide, der uns doch leicht verschreckt hatte, mit seinen Horrorgeschichten.

Zurück auf „unserem“ Schiff, der Golondrina, gab es auch schon direkt das Abendessen und anschließend bekamen wir eine richtige Einführung in das, was uns auf unserer 5-tägigen (im Grunde sind es 3 Tage plus An- und Abreisetag) Kreuzfahrt durch das Galapagosarchipel erwarten würde. Inzwischen hatte unser Boot begonnen los zu „segeln“. Anfangs machte mir das Geschaukel ganz schön zu schaffen. Aber draußen auf dem Sonnendeck lässt es sich immer gut aushalten.

Dort saßen wir nun und genossen die Wärme und den Sternenhimmel. Wir gingen früh ins Bett. Unsere Kabine ist klein, aber gemütlich. Allerdings ist es immer eine Herausforderung, während das Schiff fährt, darin irgendetwas zu suchen oder zu machen. Anschließend ist uns jedes Mal schlecht. Die Nacht war jedoch erstaunlich erholsam. Obwohl wir beide mehrfach nachts wach wurden, konnten wir zwischendurch richtig gut schlafen.
Der zweite Tag


Während wir schliefen, legte das Schiff viele Kilometer zurück und so fanden wir uns am nächsten Morgen auf der anderen Seite der großen Insel Isabela wieder. Wir genossen den Sonnenaufgang auf Deck und hielten dabei vergeblich nach Walen Ausschau. Einige Fregattvögel flogen (eigentlich ständig) ums Boot herum und landeten auf dem Mast, um sich ein Stück mitnehmen zu lassen.

Wir haben total Glück gehabt, denn wir waren tatsächlich nur zu siebt auf dem Schiff, das für bis zu 16 Personen ausgelegt ist. Zugegebenermaßen wäre es mit 16 auch echt eng gewesen. Dazu sind die 5 anderen richtig sympathisch und es herrschte eine angenehme Atmosphäre. Alle sind ungefähr in unserem Alter. Ein Pärchen kommt aus London, eines aus Dublin und die fünfte ursprünglich aus Holland, lebt aber in Neuseeland.
Der erste ganze Tag war super ereignisreich und wir haben unglaublich viel gesehen und erlebt.


Direkt bei der ersten Fahrt mit dem Dinghy sahen wir: Seelöwen, Blaufußtölpel, Stummelkormorane, einen Glapagospinguin, grüne Meeresschildkröten, Pelikane, rote Klippenkrabben und Nazcatölpel. Besonders eindrucksvoll war der Kampf zwischen zwei männlichen Meeresleguanen. Sie versuchten sich gegenseitig vom Felsen zu schubsen, während hunderte von Artgenossen um sie herum lagen. Wir fühlten uns wie in einer Naturdokumentation!

Beim anschließenden Schnorchelausflug in derselben Bucht, konnten wir uns die Schildkröten von Nahem angucken. Unglaublich, wie viele von ihnen dort herum schwammen. Roberto tauchte immer wieder tief ins Meer hinunter, um besondere Fische für uns aufzuspüren und uns auf Dinge aufmerksam zu machen. Es gab auf jeden Fall einiges zu sehen. Besonders gefallen haben uns die farbenfrohen King Angelfische. Der Pinguin tauchte irgendwann unter uns hindurch, verschwand dann aber leider. Auch Doktorfische, Thunfischschulen und jede Menge bunte Seesterne gab es zu sehen. Besonders cool war der Moment, als plötzlich, im wahrsten Sinne des Wortes „out of the blue“ ein Seelöwe aus der Tiefe auftauchte und zwischen uns hindurch schwamm. Überglücklich kamen wir zurück aufs Boot, wo ein köstliches Mittagessen auf uns wartete.

Die Mittagspause genossen wir auf dem Sonnendeck, bevor der zweite Schnorchelgang anstand. Wieder sahen wir unzählige Meeresschildkröten. Diesmal aus noch größerer Nähe – ein Traum! Die Tiere ließen sich überhaupt nicht von uns stören und man musste fast schon aufpassen, nicht mit ihnen zu kollidieren. Auch die urzeitlichen Meeresleguane schwammen teilweise um uns herum. Dazu wieder viele verschieden Fische, deren Namen wir nicht kennen.

Direkt im Anschluss machten wir uns auf zu einem Landspaziergang am Punta Espinosa auf Fernandina Island. Die Insel ist bevölkert von gefühlt tausenden von Meeresleguanen. Sie lagen überall neben und aufeinander herum und tankten nach der anstrengenden Jagd im Wasser Sonnenwärme für die Nacht. Außerdem gab es natürlich wieder Seelöwen zu sehen und zu hören. Ein Galapagosbussard verspeiste in aller Seelenruhe einen Leguan, während alle Touristen sich für das perfekte Foto um ihn scharten.


Es beeindruckt uns total, wie nah die Tiere einen heran lassen. Eher so, als wären die Menschen allenfalls etwas lästig. Einige zeigen sich auch überhaupt nicht beeindruckt von unserer Gegenwart. Man musste wirklich aufpassen, nicht über einen Meeresleguan zu stolpern, die perfekt getarnt auf dem schwarzen Lavagestein lagen. Ein Seelöwenmännchen machte uns mit seinem Geschrei aber auch ganz deutlich, dass wir uns in seinem Revier befanden. Einmal kam er sogar aus dem Wasser heraus und baute sich vor uns auf.

Die Nationalparkverwaltung hat es wirklich gut eingerichtet und reglementiert den Bootsverkehr streng. Alle Schiffe haben festgeschriebene Routen und so sind wir überall höchstens mit zwei anderen Booten (mit jeweils maximal 16 Passagieren) und können die Natur auf den und um die größtenteils unbewohnten Inseln ganz in Ruhe genießen.
Nachdem wir wieder auf unserem Schiff waren, hatten wir 30 Minuten Zeit, um uns schick zu machen. Die Crew lud nämlich zum Welcome-Cocktail. Roberto stellte uns einen nach dem anderen und deren Aufgaben an Bord vor. Alle 8 (!) sind sehr nett und kümmerten sich wirklich grandios um uns. Der Koch David zauberte singend in seiner Kombüse leckerstes und gesundes Essen, Miguel, der Bartender ließ es uns an nichts fehlen.
Nach dem Cocktail und dem Abendessen machten wir Reisenden es uns auf dem Deck gemütlich und ließen diesen herrlichen Tag bei einem Bierchen ausklingen…

Der dritte Tag


Da wir diese Nacht nicht fuhren, sondern bis 4 Uhr vor Anker lagen, erwachten wir wunderbar erholt. Von der Bahia Urbina aus machten wir uns nach dem Frühstück auf zu einer kleinen Wanderung auf Isabela. Wir sind total begeistert von unseren verschiedenen Spots – überall sieht man unterschiedliche Tiere und andere Vegetation. Auf dieser Wanderung sahen wir viele verschiedene Vögel, die uns sehr nahe kamen. Darwinfinken, pfeifende Spottdrosseln, yellow warbler und viele andere, die wir (noch) nicht kannten. Auch ein Galapagosbussard thronte beutesuchend auf einem Baum. Der eigentliche Grund unseres Besuches dieses Spots waren allerdings die Riesenschildkröten und Landleguane, die sich uns entlang des Weges zeigten. Es ist wirklich irre, wie nah man diesen Tieren kommen kann. Die Schildkröten ließen sich kein Stück aus der Ruhe bringen. Der Landleguan erinnerte uns mit seinem schuppigen Panzer ein bisschen an Viserion aus Game of Thrones.


Beim nächsten Landgang am Tagus Cove stand vor allem die Landschaft im Vordergrund. Es gab aber auch wieder Seelöwen und einige Vögel zu sehen. Wir wanderten ein Stückchen bergan und hatten dann einen wunderschönen Ausblick auf die Bucht in der unser Boot lag und über einen kreisrunden blauen Darwin-Lake.

Ein Stückchen höher eröffnete sich ein wunderschöner Blick über die Insel Isabela und ihre Lavalandschaft.
Die Luft während der kleinen Wanderung war ziemlich schwül und heiß und daher waren wir alle froh über den nächsten Programmpunkt: Baden! Bzw. ein Sprung vom Boot ins kühle, türkisblaue Wasser.
Anschließend ging es mit unserer Lieblingsaktivität weiter: Schnorcheln. Ich (Linda) finde es einfach so beeindruckend, was für eine komplett andere, wunderschöne Welt sich einem eröffnet, wenn man einfach nur auf dem Wasser treibt und den Blick mit der Taucherbrille nach unten richtet. Besonders die Meeresschildkröten haben es mir angetan. Ich könnte ihnen stundenlang dabei zusehen, wie sie schwerelos im Wasser schweben und sich von den Wellen hin und her schaukeln lassen oder genüsslich an einer Wasserpflanze knabbern, während kleine bunte Fische um sie herum flitzen.

Dieses Mal machte es sich besonders bezahlt, in Robertos Nähe zu bleiben. Er zeigte uns einen Stierkopfhai und zweimal brachte er uns zum lachen, als er einen Kugelfisch an die Wasseroberfläche holte. Die Fische bliesen sich zu einer großen runden Kugel auf, um dann wie ein Luftballon ohne Knoten davon zu sausen, während er wieder auf normale Größe schrumpfte.

Auch zwei Pinguine sprangen zu uns ins Wasser und schwammen um uns herum, eh sie im tiefen Wasser verschwanden. Wir waren auf jeden Fall richtig traurig, als das Dinghy kam, um uns wieder einzusammeln.
Vor dem Abendessen genossen wir vom Bug des Bootes aus einen wunderschönen Sonnenuntergang. Gegen 19:00 Uhr durften wir dem Kapitän über die Schulter schauen, während wir den Äquator überquerten.
Während die anderen in ihren Kojen verschwanden, tranken wir noch ein Bierchen mit James und Theodora auf dem Vorderdeck und gingen dann richtig spät – nämlich erst um kurz vor neun – ins Bett.

Der vierte Tag


Nach einer langen aber sehr ruhigen Fahrt über Nacht mussten wir heute etwas früher aufstehen, denn wir wollten als erstes am Puerto Egas auf Santiago Island an Land gehen. Dort gab es dann neben der Galapagostaube und vielen Finken die scheueren und selteneren Pelzseelöwen zu sehen. Richtig nah kamen wir aber mal wieder vor allem den großen Seelöwen. Leider fing es an, ein wenig zu regnen, so dass wir aufs Schnorcheln vom Strand aus verzichteten.
Nach einer langen Fahrt legten wir nach dem Mittag zu unserem letzten Landgang am Chinese Hat an. Jede Menge Seelöwenbabys begrüßten uns und robbten neugierig auf uns zu – sooo niedlich!

Direkt danach gingen wir auch schon zum letzten Mal schnorcheln. Roberto zeigte uns erneut viele tolle Tiere, die wir ohne ihn nicht entdeckt hätten: einen Tigerschlangenaal, erneut einen Ballonfisch und Schrimps. Besonders aufregend war es, als wir die Weißspitzenriffhaie entdeckten. Obwohl diese Tiere für den Menschen wohl ungefährlich sind, blieb mir (Christian) doch kurz das Herz stehen, als einer auf mich zu geschwommen kam. Die Gleichung Hai = gefährlich ist wohl tief verwurzelt. Schweren Herzens kletterten wir ins Dinghy und fuhren zurück zur Golondrina.

Der letzte Tag


Heute mussten wir noch früher aufstehen als sonst. Da wir bereits um 12.30 Uhr im Flieger nach Guayaquil sitzen sollten, trafen wir uns schon um 6 Uhr zum Frühstück, damit wir anschließend genug Zeit hatten, das Charles Darwin Research Centre auf Santa Cruz zu besuchen.
Ein letztes Mal stiegen wir aufs Dinghy, winkten der Crew, die uns an der Reling stehend verabschiedete und setzten über auf die Insel. Das Centre kümmert sich sehr erfolgreich um den Erhalt der Riesen- und Galapagosschildkröten auf den Galapagosinseln. Berühmtester ehemaliger „Bewohner“ war wohl „Lonesome George“. Als letzter seiner Art der Schildkröten von Pinta (es gibt insgesamt 14 Unterarten der Riesenschildkröten) wurde er 1974 gefunden. Jahrzehntelang wurde ein Weibchen für George gesucht, damit seine Art nicht ausstirbt. Alle Versuche scheiterten jedoch, so dass er 2012 mit über 150 Jahren starb und mit ihm seine Art.

Nach dem Besuch hieß es Abschied nehmen von unseren Mitreisenden, die alle noch ein paar Tage auf der Insel bleiben. Roberto brachte uns mit Taxi, Fähre und Bus einmal quer über die Insel zum Flughafen, wo wir jetzt die scheinbar obligatorischen 1,5h, ähhh 2,5h, ähhh, 3,5h hmmmmm, 4h Verspätung nutzen, um euch diese Zeilen hier zu schreiben.
Es waren 3 ½ wundervolle Tage auf dem Schiff, mit einer super herzlichen, lustigen Crew, netten Mitreisenden und vor allem einer atemberaubenden Natur mit ganz ungewöhnlichen und hautnahen Tierbegegnungen, die wir nicht vergessen werden.
P.s.: die Unterwasseraufnahmen hat Roberto auf unseren Schnorchelausflügen gemacht































































































































