Wir werden immer mal wieder gefragt: „Ist das bei euch wirklich alles so toll oder sieht das nur so aus?“ Natürlich gibt es auch mal Dinge, die unangenehm oder ärgerlich sind und gerade ich (Linda) empfinde das dann auch so und das verdirbt mir mitunter richtig die Laune – also so wirklich doll. Und natürlich ist auch nicht alles immer Friede-Freude-Eierkuchen bei uns – ist doch selbstverständlich, dass man auch mal Scheißlaune hat, trotz Karibik, Traumstränden und Faultieren.
Dem ein oder anderen mag das wie Jammern auf hohem Niveau vorkommen, aber wir jammern nicht, sondern wollen euch ein vollständiges Bild dieser Reise bieten – daher jetzt mal ein paar Erlebnisse, die für schlechte Laune gesorgt haben, bzw. sorgen; ohne Anspruch auf Vollständigkeit und nicht chronologisch:
So eine lange Reise geht wohl nie ganz ohne Wehwehchen, Blessuren oder Krankheiten vonstatten. Auch das macht schlechte Laune, vor allem, weil man „zu Hause“ dreimal schneller gesund wird, als unterwegs (hilft das jetzt wirklich, wenn ich einen Tee mit DIESEM Wasser koche?). Zum Glück (toi toi toi) mussten wir uns eher mit Kleinigkeiten rumschlagen, die wir relativ schnell in den Griff bekommen haben (Lindas Zahnarztbesuch muss aber bis Italien warten).
Auf der Schnorcheltour, auf der wir die Walhaie sahen, erwischten Linda gleich beim ersten Schnorchelgang etliche Quallen und sie hatte für etwas mehr als eine Woche überall am Körper juckende, rote „Quallenquaddeln“ – aber mal ehrlich, was bleibt mehr in Erinnerung: der Walhai oder die Quaddeln?
Wenn man so lange unterwegs ist wie wir, ergibt sich automatisch eine ganz eigene, neue Lebenswirklichkeit. Vollkommen losgelöst von unserem Alltag „daheim“ verbringen wir unsere Tage mit ganz anderen Herausforderungen. Die Freiheit, die wir dabei haben und die allermeiste Zeit genießen, kann auch sehr fordernd und anstrengend sein. Wir überlegen quasi jeden Tag: Was wollen wir heute machen? Nichts ist klar, nichts ist Routine. Dieses ständige Entscheiden kann ganz schön kräftezehrend sein. Wo wollen wir hin? Was will Linda, was will Christian, was wollen wir machen? Alleine? Mit Guide? Was gibt’s zu essen? Kochen wir selber? Wo ist der nächste Supermarkt? Kann man hier irgendwo Wäsche waschen? Wo schlafen wir? In dem Hostel gibt es nur noch Dorms – egal? Gemeinschaftsbad oder privates Bad? Was sagt unser Budget? Shuttle oder Bus? Billiges Hostel, oder Lodge? Wie lange wollen wir bleiben? Sind 6, 7, 8 Stunden Fahrt es wert? Wir denken mittlerweile sehnsüchtig an jedes „All-inclusive-Paket“ zurück. Zwar hatten wir erst zwei (Galapagos und San Blas), aber es war schon schön – wenn die Klingel klingelt, muss man nicht selber denken, sondern einfach machen, was einem gesagt wird: jetzt essen, jetzt schnorcheln, jetzt spazieren gehen – herrlich!
Immer mal wieder berichten wir mit einem Zwinkern von unseren Busfahrten (bzw. von unseren Busfahrern), die immer zu den ereignisreichsten Erlebnissen zählen. Fakt ist, dass ich (Christian) tatsächlich das ein oder andere Mal das Bedürfnis verspürt habe, mich, nach erfolgreicher Ankunft, hinzuknien und den Boden zu küssen. Unfassbar, wie manche Leute an ihren Führerschein gekommen sind. Wir haben insgesamt schon einige Tage unserer Reise im Bus verbracht (und den ein oder anderen beim „auf den Bus warten). Davon mehrere Fahrten über STUNDEN hinweg in eher wenig komfortablen Bussen. Ein Auge aufs Gepäck, mindestens eine Hand am Griff, geht es im Slalom um die Schlaglöcher die Serpentinen hoch oder runter. In Panama und auch Nicaragua gibt es diese tollen, alten amerikanischen Schulbusse. Bunt angemalt, mit voll aufgedrehter Musik, nennen wir sie liebevoll „Partybusse“. Bei den Einheimischen heißen sie eher „Chickenbusse“. Warum? Ich (Christian) bin Mondragone-, bzw. Neapelerprobt – und doch konnten mich die Mittelamerikaner überraschen, wie viele Menschen in einen Bus passen (eben wie im Hühnerkäfig). Ganz zu schweigen von den Verkäufern, die an jeder Ecke in den Bus steigen, sich von vorne nach hinten und wieder zurück durchpressen, um Getränke, Gebäck, Batterien, Aufladekabel, Süßigkeiten, Obst oder andere Dinge zu verkaufen. Da sind wir doch froh über jeden Sitzplatz, den wir ergattern können (trotz null Beinfreiheit). Hunger, Durst, Toilette – alles Bedürfnisse, die dann hinten anstehen. Bis auf die Unterhose durchgeschwitzt sind wir bisher aber immer gut angekommen. Ach ja – erwischen wir mal einen „komfortableren“ Reisebus, sitzt Linda garantiert auf dem Platz, bei dem sich die Rückenlehne nicht verstellen lässt.
Was meint ihr, wie viele Nächte wir eigentlich in den letzten 2,5 Monaten schlecht geschlafen haben? Wie oft haben wir uns Moby Dick herbeigesehnt…(zugegeben, das betrifft eher Linda, denn wenn ich (Christian) liege, dauert es nicht lange, bis ich schlafe. Und wenn ich schlafe, schlafe ich) Trotzdem – erholsam war es häufig nicht. Warum? Sucht euch was aus:
- Das Bett ist zu weich
- Schimmel!
- Das Bett ist zu hart
- Das Doppelbett hat eine Kuhle in der Mitte und wir verbringen die Nacht aneinanderklebend in genau dieser Kuhle
- Mücken
- Die Matratzen sind, warum auch immer, häufig in Plastik eingeschlagen. Ein Polyester-Bettlaken darauf – wunderbar! Man rutscht, als würde man auf Eis liegen und jede Bewegung knistert so schön
- Schimmel!
- Es ist so warm
- Kakerlaken (auf dem Boden, in der Essenstüte, in der Kulturtasche…bähhhh!)
- Luft, wir brauchen Luft!
- „Das konnte man auf den Fotos aber nicht sehen, dass das Zimmer kein Fenster hat.“
- „Man, ist das hellhörig“
- Schimmel!
- „Was war das gerade für ein Geräusch? Kannst du mal gucken?“
- Wenn man eine hat: Frieren mit Klimaanlage oder schwitzen ohne?
- Magen! Und! Darm!
- Irgendwie riecht das Kopfkissen komisch
- Wann wurde hier das letzte Mal sauber gemacht?
- …
Am Ende des Tages sind das alles nur Klitzekleinigkeiten, die zu jeder guten Reise dazugehören. Wie eine italienische Mitreisende sagte, die auf einer 4,5stündigen Busfahrt verzweifelt versuchte, etwas zu schlafen, dies aber nicht konnte, weil sie auf einem winzigen Klappstuhl saß: „That‘s the beauty of travel!“
Was bleibt, ist eine wahnsinnig tolle Reise mit wundervollen, einmaligen Erlebnissen und ganz viel Dankbarkeit dafür, dass wir die Möglichkeit haben, dieses Jahr so zu verbringen.
PS: Bootsfahrten machen uns ja echt Spaß und eine Schwimmwestenpflicht halten wir durchaus für sinnvoll, aber warum sind die Dinger ständig nass und riechen IMMER nach nassem Hund?!?!
PPS: Gallo Pinto (Reis mit schwarzen Bohnen) zum Frühstück macht Linda nicht glücklich.


