(Christian und Linda): Während unserer bisherigen Reise hatten wir uns immer mal wieder gefragt, wo denn all die Bananen wachsen, für die ja sowohl Ecuador, als auch Panama, als auch Costa Rica berühmt sind. Auf dem Weg von Bocas del Toro über die Grenze nach Puerto Viejo in Costa Rica bekamen wir dann eine Antwort. Kilometerlang fuhren wir an nichts anderem als riesigen Bananenplantagen vorbei. In regelmäßigen Abständen gesellten sich kleine Siedlungen dazu – die Wohnungen der Plantagenarbeiter. Auffällig war, dass sämtliche Bananenstauden mit blauen Plastiktüten verhängt waren. Warum bloß?

Eine kurze Recherche später war uns klar – was Dole, Chiquita & Co da veranstalten ist wirklich schlimm. Die monokulturelle Bewirtschaftung an sich und die zusätzliche enorme Belastung durch eingesetzte Pestizide (zur Anwendung von diesen hängen auch die Tüten um die Bananen) machen innerhalb weniger Jahre den Boden restlos kaputt und somit unbrauchbar. Auch die Arbeiter leiden gesundheitlich stark unter dem Einsatz der Gifte. Mal wieder wurden wir mit einer Realität konfrontiert, die uns dazu bewegt, unser Konsumverhalten zu überdenken.
Nun ja, jedenfalls waren wir nun in Costa Rica – das Motto lautet hier „pura vida“ (wörtlich: pures Leben). Wie uns ein Taxifahrer demonstrierte, kann das so viel heißen wie „Hallo!“, „Na klar.“, „Kein Problem“, „Sehr gerne“ oder auch „Tschüß“ und sicherlich noch vieles mehr. Darüber hinaus bezeichnet es den Lebensstil im ganzen Land und vielleicht ganz besonders in Puerto Viejo.
In Puerto Viejo angekommen musste Christian sich erstmal von einem Magen-Darm-Mitbringsel aus Bocas erholen. Zum Glück war das schnell überstanden, so dass wir uns einen Überblick vom Ort und der Umgebung machen konnten. Puerto Viejo ist (mal wieder) ein altes Fischerdorf, welches (mal wieder) aufgrund seiner malerischen Lage an der karibischen Küste und der umliegenden Nationalparks von den Touristen für sich entdeckt wurde. Die Menschen hier haben sich aber ihre ganz eigene Gemütlichkeit bewahrt. Es gibt einen großen kreolischen und jamaikanischen Einfluss, den man sowohl in der Küche, als auch beim Flanieren durch die Gassen spürt. Aus JEDEM Geschäft sang uns Bob Marley „Stir it up“ oder „No woman, no cry“ entgegen und ständig, vor allem Abends schwebte eine Wolke ganja an einem vorbei. Wenn man einen Termin hat und vorher noch etwas essen möchte, sollte man vorsichthalber viieeel Zeit dafür einplanen (wie wir vor unserem Besuch des Ara-Projects (s.u.) feststellen mussten). Die Uhren laufen hier einfach anders – vielleicht haben sich die Menschen ja ein Vorbild an den unzähligen Faultieren genommen, die hier in den Bäumen abhängen (nicht weil sie faul sind, sondern einfach einen Gang runtergeschaltet haben)? Kurz und gut – der Vibe in Puerto Viejo gefiel uns.

Am Donnerstag machten wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück zu Fuß an der Küste entlang auf den Weg zum 5km entfernten Jaguar-Rescue-Centre. Entgegen einer ersten Annahme wird sich hier nicht (nur) um Jaguare (als wir da waren wurde leider oder eher zum Glück kein Jaguar im Zentrum behandelt), sondern um Wildtiere aller Art gekümmert, die meist aufgrund menschlicher Einflussnahme Hilfe benötigen. Laut unserem Guide sind die drei häufigsten Gründe, warum Tiere ins Zentrum gebracht werden: Verkehrsunfälle, Verletzungen durch Stromleitungen und Verletzungen, die dadurch entstehen, dass Tiere als Haustiere gehalten und misshandelt werden. Im Zentrum selber wird Wert darauf gelegt, dass es kein Zoo ist. Alle Tiere sollen nach Möglichkeit wieder ausgewildert werden – und bei den allermeisten gelingt dies auch.

Wir bekamen eine unterhaltsame Führung durch das Zentrum und der Eintritt kommt zu 100% den Tieren zugute – da bezahlen wir doch gerne. Die kleinen Babyfaultiere gefielen uns besonders – aber es macht doch immer noch mehr Spaß, sie in freier Wildbahn zu entdecken. Wer Lust hat, kann sich folgende Dokumentation über das Jaguar-Rescue-Centre anschauen:
Am zweiten Tag liehen wir uns Räder vom Hostel und radelten entlang der Küste die 12 km bis nach Manzanillo, wo ein Nationalpark beginnt. Da die Wanderwege aufgrund des Regens der letzten Nacht ziemlich matschig waren, machten wir recht bald an einem Strand halt, bevor wir zum Mittag in einer „Soda“, einem der einfachen einheimischen Restaurants einkehrten. Wie schon erwähnt, geht es hier sehr gemächlich zu und wir mussten uns hinterher sputen, um es rechtzeitig zum „Ara Project“ zu schaffen. Die Aras wurden in den letzten Jahrzehnten durch die Abholzung des Regenwaldes mehr und mehr aus ihren Lebensräumen verdrängt. In einem Waldstück nahe Manzanillo werden seit 2010 gezüchtete große grüne Aras ausgewildert und bei der Aufzucht ihrer Jungen unterstützt. Das Projekt ist ein großer Erfolg und die Population wächst stetig.

Wir durften bei der nachmittäglichen Fütterung dabei sein und das war wunderbar! Teilweise flogen die großen bunten Vögel direkt über unsere Köpfe oder blieben im Baum neben uns sitzen. Wir waren aufgefordert, nicht mit ihnen zu kommunizieren – wenn sie einen mit schiefgelegtem Kopf anguckten und dazu krächzten, fiel das manchmal gar nicht so leicht. Am schönsten sehen die Aras im Flug aus, dann kommt ihre Regenbogenfärbung einfach am besten zur Geltung.

Auf dem Rückweg streikte auf einmal Christians Fahrrad – das Kugellager war kaputt und das Hinterrad ließ sich nicht mehr drehen. Es waren noch 8km bis nach Puerto Viejo und es dämmerte bereits, trotzdem schoben wir erstmal los – pura vida. Ein netter Einheimischer versuchte noch zu helfen, aber bei dem Schaden half auch sein Werkzeug nicht weiter. Am Ende fuhr Christian samt Fahrrad mit einem Tuktuk nach Hause und Linda radelte im Abendsonnenschein alleine zurück.

Im Hostel hatten wir uns für das gemeinsame Essen angemeldet: der griechische Koch Lukas machte gefülltes Gemüse, für alle Gäste, die Lust und Appetit hatten – reichlich und lecker! Leider hatte aber auch Linda irgendwas mit dem Magen und anschließend unangenehmes Sodbrennen/ Magenschmerzen, so dass das gemeinsame Bier mit ein paar anderen Gästen kurz ausfiel. Trotzdem machte es total Spaß, in der Bar am Strand bei der „open-Mic-Reggea-night“ zuzuhören. Die Rastamänner rappten, shouteten und sangen was das Zeug hielt – dazu wehte eine stetige Graswolke durch die Luft – echtes Karibikfeeling!
Den nächsten Tag verbrachten wir recht ereignisarm am Strand. Megabeeindruckt waren wir allerdings von einem einbeinigen Surfer, der irgendwann rausgepaddelt ist und sich die Wellen geschnappt hat – total inspirierend!

Am Sonntag fuhren wir mit dem Bus weiter nach San Jose. Wieder ging es ewig lange durch Bananenplantagen und vorbei an Containern voll mit Bananen.

Linda muss gestehen, dass sie etwas enttäuscht war: im Bus lief keine Musik. Normalerweise gab es (abgesehen von 2 Shuttlebussen) in Ecuador und Panama wirklich ausnahmslos in jedem Bus Musik – auch wenn die Lautstärke und mangelnde Abwechslung oft nervten, irgendwie fehlte das nun.
Bevor Linda so richtig Gelegenheit hatte, sich an das neue Land zu gewöhnen (was immer eine Weile dauert und auch nicht ganz ohne Stress über die Bühne geht – der arme Christian muss das dann aushalten), sind wir heute schon wieder weiter nach Nicaragua gefahren.
Wir haben uns aus verschiedenen Gründen entschieden, nicht den vollen verbleibenden Monat in Costa Rica zu verbringen. Zum einen ist es hier eh schon recht touristisch und durch die Hochsaison wirklich voll, zum anderen ähnelt die Landschaft doch auch stark der in Panama und wir haben Lust, auch nochmal ein bisschen was anderes zu sehen. Viele Reisende, die wir getroffen haben, schwärmten von Nicaragua – und da sind wir nun…











