Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von Ecuador und verbummelten, nachdem wir recht früh von Mindo nach Quito gefahren waren, die letzten Stunden am Flughafen. Pünktlich (!) starteten wir in Richtung Panama.
Ratzfatz ging der Flug vorüber, auch die Immigration ging rasend schnell. Unser Host Adrian wartete schon am Flughafen auf uns und fuhr uns bei über 30Grad und gefühlten 99% Luftfeuchtigkeit zu seinem Apartment. Mit dem Fahrstuhl ging es hoch in den 17. Stock, von dem wir einen tollen Rundumblick auf die Skyline Panama Cities hatten.

Wir machten es uns mit Pizza und Bier auf dem Balkon gemütlich und ließen unseren ersten Abend in Panama, geschafft von der Reise und dem Klima, ausklingen.
Am nächsten Morgen (Samstag) wollten wir uns das Altstadtviertel, das Casco Viejo anschauen. Malerisch mit bunten, kunstvoll restaurierten Kolonialbauten sollte dies ein kleines Freilichtmuseum sein. Auf dem Weg dorthin, schlenderten wir noch über den Fischmarkt und schauten dem Trubel zu.

Das Casco Viejo selber hatten wir uns dann doch ein wenig anders vorgestellt. Viele Gebäude sind verfallen, Einheimische sahen wir recht wenig.
Nichtsdestotrotz ist der Kontrast zwischen Altstadt und der Skyline schon irgendwie besonders. Nach zwei Stunden durch die Gassen schlendern und einer kleinen Stärkung, entschieden wir uns dann am Nachmittag der Hitze mit einem Sprung in den Rooftop-Pool zu begegnen.


Nach kurzer Überlegung, ob eine Panamareise ohne Panamakanal-Besuch überhaupt geht, fuhren wir Sonntag ganz früh zum Miraflores Visitors Centre. Gerade rechtzeitig kamen wir an, um einen großen Pott aus der Schleuse fahren zu sehen. Über Lautsprecher erklärte ein Mitarbeiter allerlei über die Technik und die Schiffe im Kanal. Die Besucherplattform füllte sich immer mehr und es wurde mit Ellenbogen um die beste Position gekämpft – schon ein bisschen komisch – nur um ein paar Schiffe vorbeifahren zu sehen – wunderte sich der Hamburger in mir.

Bis zum späten Vormittag passierten noch weitere Schiffe den Kanal und das Schauspiel wiederholte sich. Dennoch hab auch ich ein bisschen von der Faszination und der Bedeutung des Panama-Kanals als eines der sieben modernen Weltwunder gespürt. Ein Besuch im angeschlossenen Museum mit allerlei Infos über den Bau und die Geschichte, über Flora und Fauna rundete unseren Besuch ab.
Gegen Mittag statteten wir dann dem städtischen Regenwald, dem Parque National Metropolitano einen Besuch ab. Der Mitarbeiter vor Ort erläuterte uns die verschiedenen Rundwege mit dem Hinweis, dass die Chance, Tiere zu sehen, zur Mittagszeit allerdings nicht so gut sei. Nicht viel erwartend machten wir uns also auf den Weg. Nach kurzer Zeit dann ein rascheln im Baum – ein kleiner Ameisenbär hielt sich scheinbar nicht an die Mittagsruhe und erhellte unsere Laune. Nachdem das lustige Tier sich verabschiedet hatte, setzten wir unseren Streifzug fort. Auf ein Gefühl hin blieb ich stehen und schaute in die Bäume, als ich plötzlich einen Arm „hervorschnellen“ sah. Es war fast, als wollte das Faultier, was eigentlich gut getarnt im Grün hing, mir winken. 20 Minuten beobachteten wir, wie sich das Faultier scheinbar hilflos, in Wirklichkeit aber mit bewundernswerter Ruhe, Ausdauer und Zielstrebigkeit seinen Weg bahnte. Dabei kam es so dicht heran, hätte ich meinen Arm ausgestreckt, hätte ich es berühren können – nie im Leben habe ich damit gerechnet, einem Faultier so nahe zu kommen.

Weiter sahen wir noch ein Reh, schillernde Schmetterlinge, zahlreiche Papageien und andere bunte Vögel – so viel zu: Die Chancen stehen schlecht, Tiere zu entdecken.

Für Silvester hatten wir uns bereits im Voraus eine Unterkunft in Puerto Lindo auf der karibischen Seite Panamas gebucht (es ist Hauptsaison in Panama und im Gegensatz zu Ecuador sind etliche Unterkünfte hier ausgebucht). Hier wollten wir an den Stränden der Gegend abhängen und entspannt ins neue Jahr starten. Eine abenteuerliche Busfahrt brachte uns zu unserem „Hostel Wunderbar“. Leider hatten wir bei unserer Buchung nicht auf dem Schirm, das Puerto Lindo nicht viel mehr als eine Anreihung von kleinen Fischerhütten ist und sonst nicht viel zu bieten hat. Strände sind ausschließlich mit einem eigenen Auto oder mit dem Boot zu erreichen.
Nun ja, wenn man so will, hatten wir Glück im Unglück. Da mich mein Infekt, der sich zurückgemeldet hat, die meiste Zeit ans Bett oder an die Hängematte auf der Veranda gefesselt hat, kamen wir gar nicht dazu, uns zu ärgern, dass unser Silvester nicht ganz wie geplant verlaufen war. Viel zu beschäftigt war Linda mit Tee kochen und ich mit Tee trinken. Natürlich hätten wir gerne einen Ausflug auf eine der vorgelagerten Inseln gemacht, aber immerhin befinde ich mich auf dem Weg der Besserung.
Auch wenn wir schon schöne Erlebnisse hier hatten, sind wir noch nicht so ganz in Panama angekommen. Klar – wir sind erst wenige Tage hier, die Hälfte davon in einer Großstadt. Dazu kommt, dass ich die andere Hälfte mit meiner Erkältung flach lag, aber trotzdem: Ein wenig vermissen wir die ecuadorianische Herzlichkeit. Wir hoffen und glauben aber fest daran, dass sich das in den kommenden Wochen ändern wird.
Guna Yala – demar yerdalega (das Meer ist schön in der Sprache der Guna)
So schnell kann es gehen: Vor 4 Tagen schrieb ich, dass wir noch nicht 100%ig in Panama angekommen sind. Anschließend sind wir für 3 Nächte auf die San Blas Inseln (Guna Yala) gefahren und siehe da – wir sind angekommen! Aber der Reihe nach:
Die San Blas Inseln sind ein teilautonomes Inselarchipel, dass von dem Volk der Guna bewohnt und verwaltet wird. Nur Guna haben das Recht Touren auf die ca. 400, zum Teil winzigen, aber allesamt paradiesischen Inseln (einige reden von genau 365 – für jeden Tag eine) zu organisieren. Wie zufällig erheben sie sich sanft aus dem türkisblauen Meer. Alle sind mit Palmen gespickt und mit Puderzuckersand bestreut. Ein Traum!

Früh morgens um 10 nach 5 trafen wir uns schon voller Vorfreude mit unserem Host Adrian, der uns die Reise vermittelt hat und warteten auf unseren Fahrer, der uns von Panama City nach Guna Yala bringen sollte. Wenig später traf dieser ein und wir machten uns in dem Allrad-Geländewagen mit vier anderen Touris auf den Weg. Die ersten 1,5Stunden raus aus Panama verflogen schnell und reibungslos. Nach einem Stop am Supermarkt, um ein paar Vorräte für den Aufenthalt auf den Inseln zu besorgen, folgte der interessante Teil. Wir verließen die Autobahn und tauchten immer tiefer in den Dschungel ein, während unser Fahrer den zum Teil badewannengroßen Schlaglöchern auswich und am laufenden Band seine Whatsapp Kontakte pflegte. Nach drei Stunden kamen wir am Steg an. Hier ging es sehr trubelig zu, da sich die Touristen sammelten, bevor sie auf die Inseln verteilt wurden.
Wir wurden sogleich von Adrians Bekannter Mirella in Empfang genommen. Diese teilte uns dann leider mit, dass die Reise, wie Adrian sie uns zugesagt hatte, so nicht stattfinden kann. Ursprünglich hatten wir 3 Nächte auf „Aroma“ in einer private Cabana gebucht. „Aroma“ sei heute voll. Dafür sollten wir nach „Franklin“ (eine sehr zugebaute, volle Insel, die wir für uns von vornerein ausgeschlossen hatten) gebracht werden. Am nächsten Tag sollte es dann nach „Aroma“ gehen – allerdings gäbe es dort nur noch Dormschlafplätze – na super! Die Laune ziemlich im Keller, riefen wir Adrian an – wie sich herausstellte hat er uns nicht ganz die Wahrheit gesagt. So fantastisch er als Gastgeber war, so wütend waren wir jetzt auf ihn.
Es ist Mirella zu verdanken, die uns nach einer Nacht auf „Franklin“ auf der „Isla Robinson“ unterbringen konnte, dass diese 3 Tage dennoch unvergesslich wurden.
Auf der „Isla Robinson“ kamen wir in einer geräumigen Cabana unter und wurden von Ernello und David bestens umsorgt – es gab fangfrischen Fisch für mich (einmal sogar Lobster), Pollo für Linda, immer lecker zubereitet. Zwischen den Mahlzeiten aalten wir uns in der Sonne, schnorchelten um die Insel oder lasen in der Hängematte.


Ab 18Uhr, wenn der Generator anfing, Strom zu liefern, kam der passende Sound aus den Boxen dazu (neben allerlei panamaischer Hits doch tatsächlich auch „Sunshine Reggae“). Abends saß man am Lagerfeuer und genoss seinen Cola-Rum. Die Bewohner der Insel (35 Erwachsene; 65 Kinder) waren unglaublich offen und herzlich – man lud sich gegenseitig zum Bier ein und tauschte Sprachkenntnisse aus (guna gegen deutsch).

Traumstrände, türkisblaues Wasser, Palmen, Sonne, Hängematte, nette Menschen – was braucht man mehr? Hallo Panama!
























































