Nach zwei Wochen quasi-Quarantäne in der Wohnung in Mondragone beschlossen wir schweren Herzens, Italien zu verlassen und unsere Reise zu beenden. Die Fahrt am 1. April von Süditalien nach Norddeutschland verlief absolut reibungslos. Auf den Autobahnen in Italien fuhren wir bis auf ein paar LKW fast alleine. An der Grenze zu Österreich mussten wir ein Formular ausfüllen, auf dem wir versicherten, unterwegs nicht anzuhalten und an der deutschen Grenze fragte man uns kurz, wo wir herkämen und lies uns dann unbehelligt einreisen. Wir nahmen die erste Autobahnabfahrt in Bayern und verbrachten eine eisige Nacht auf einem Parkplatz an einem kleinen See. Am nächsten morgen ging es weiter bis nach Gifhorn. Sich nach so langer Zeit nur zuzuwinken, anstatt sich zu umarmen, fiel uns allen nicht leicht. Trotzdem war es schön, Rita und Umberto wieder zu sehen. Wir luden ein paar von unseren eingelagerten Dingen (warme Kleidung, Schuhe, meine Nähmaschinen und Stoffe) ein und fuhren am nächsten Tag weiter ins Wendland zu Erich. Nach der Zeit in Italien kam uns das Verhalten der Deutschen recht komisch vor. Zwar befand sich Deutschland mittlerweile ja auch im sogenannten „Lockdown“, aber die Straßen und Supermärkte waren gut gefüllt wie eh und je. Lediglich der Einkaufswagenzwang in niedersächsischen Supermärkten verriet, dass nicht alles beim Alten war.

In Quickborn an der Elbe hatten Peter und Karin ihre kleine Gästeferienwohnung für uns hergerichtet. In der fühlten wir uns gleich sehr wohl. Der „Dorffunk“ in Form der Fleischfachverkäuferin von gegenüber hatte uns angekündigt und überall im Dorf begegnete man uns freundlich, so dass wir uns in dieser merkwürdigen Zeit nicht wie Eindringlinge vorkamen.


Das freundliche Aprilwetter, die Zeit bei Erich im Garten und vor allem die Möglichkeit, sich an der frischen Luft zu bewegen, versöhnten uns zumindest ein bisschen mit dem Abschied von Italien und unserem Sabbatjahr, so wie wir es geplant hatten. Die Natur hier im Wendland ist einfach wunderbar und wir genossen es, mit dem Rad und zu Fuß unsere neue „Heimat“ zu erkunden.



Dass wir unseren Aufenthalt in Italien abbrechen mussten und quasi ein Drittel des Sabbatjahres nicht wie geplant mit Reisen verbringen würden, war schon traurig genug. Schwierig fand ich zusätzlich, dass es eigentlich nur eines gegeben hatte, auf das ich mich wirklich zu Hause gefreut hatte: Freunde und Familie zu sehen. Und genau das war ja nun erstmal nicht möglich. Mittlerweile sind die Regeln ja aber etwas gelockert und wir haben schon den einen oder anderen Abstandsbesuch bekommen oder selbst gemacht.
Die Zeit vergeht wie im Fluge, aus dem zarten Frühlingsgrün ist ein sattes Sommergrün geworden. Der Raps ist verblüht und bei Erich im Garten wird die Arbeit nicht weniger. Uns plagt aber immer noch gewaltig das Fernweh und die Lust, mit Moby Dick unterwegs zu sein. Die ersten Lockerungen machen es denkbar, nochmal los zu fahren. Nur wohin? So wie wir es am liebsten haben – drauf los und dann sehen, wohin es uns treibt, das ist in diesem Jahr wohl nicht mehr machbar. Aber Campingplätze zu reservieren ist nun auch nicht nach unserer Vorstellung.
Nach Pfingsten waren wir erstmal für ein paar Tage an der Mecklenburgische Seenplatte unterwegs. Wir wollten mal vorfühlen, wie sich „Unterwegs mit Moby Dick“ in Zeiten von Corona anfühlt. Und tatsächlich war es vor allem wunderbar, wieder unterwegs zu sein.

Als wir dann im Radio von den ersten „Mutigen“ hörten, die über die frisch geöffnete Grenze nach Italien fuhren, war auf einmal klar: Das machen wir auch! Schnell fuhren wir am Donnerstag zurück nach Quickborn und begannen sogleich, unsere Siebensachen zusammen zu packen. Ehrlich gesagt war es mittlerweile ganz schön viel Kram, der sich in unserem Asyl angesammelt hatte. Der musste sortiert und bei Erich verstaut werden. Nun kann es aber los gehen. Auf nach Italien!







