Granada (Nicaragua, nicht Spanien)
Was war das mal wieder für ein Ritt – 10 Stunden von San Jose nach Granada. Dazu eine etwas kompliziertere Einreise, als wir es gewohnt waren. Zunächst wollte unser Busfahrer einen Impfnachweis gegen das Coronavirus sehen – haben wir natürlich nicht (gibt es überhaupt eine Impfung?!?). Wir konnten ihm glaubhaft versichern, dass wir schon länger nicht in Deutschland waren, weshalb er uns dann auch mitnahm. Vorsichtshalber wurde bei allen Reisenden an der Grenze dann die Temperatur gemessen und das Gepäck gründlich gecheckt – irgendwann war die Odyssee aber vorbei und wir in Granada.

Und wie gut hat es uns dort gefallen?! Ein Kolonialstädtchen wie aus dem Bilderbuch. Enge Gassen, ein unglaublich wuseliger Markt, Pferdekutschen auf den Straßen, bunte Häuser noch und nöcher und Musik an allen Ecken und Enden. Die Nicaraguaner erinnern uns mit ihr herzlichen Art an unsere Zeit in Ecuador. Abends schlenderten wir durch die Gassen – endlich mal eine Stadt, in der man sich auch nach Einbruch der Dunkelheit wohl fühlt – und aßen uns durch die Lokale.

Granada war für uns die perfekte Basis, um einige Ausflüge in die Umgebung zu machen, die allesamt im Zeichen der Vulkane standen. Genau, wie wir uns das gewünscht hatten, erlebten wir eine ganz andere Landschaft. Hier bedeutet „Trockenzeit“ tatsächlich, dass es nicht regnet. Die weiten, steppenähnlichen Ebenen erinnern irgendwie eher an Afrika, als dass man sich in Zentralamerika wähnt. Dabei ist es richtig heiß und kühlt auch nachts kaum ab. Aber es herrscht eine trockene Hitze, die deutlich besser auszuhalten ist, als die Schwüle in Panama. Nicaragua wird von einer Vulkankette durchzogen und deshalb das Land der tausend Vulkane genannt. Ganz so viele sind es zwar nicht und es gibt auch „nur“ 6 aktive Vulkane, aber es herrscht reichlich Auswahl an Ausflugszielen:
Volcano Day I
Unser erster Ausflug war auch gleich der beeindruckendste. Wir buchten eine Abend-Tour zum Masaya Vulkan. Das Besondere bei diesem Vulkan ist, dass man von oben in den Krater schauen und unten die Lava brodeln sehen kann. Ein unfassbares (!) Naturschauspiel. Man konnte genau sehen, wie die Lava wellengleich vor sich hinschwappte und sogar die Lavabrandung war am Kraterrand zu hören. Wir kamen uns angesichts dieser Urgewalt plötzlich ganz klein vor. Da der Wind günstig stand und die Schwefeldämpfe von uns weg blies, durften wir dem Schauspiel über 30 Minuten zusehen – es wurde einfach nicht langweilig!

Volcano Day II
Am zweiten Tag entschieden wir uns für eine Wanderung auf dem Mombacho Vulkan. Der vulkanische Boden ist so fruchtbar und der schlummernde Vulkan so lange nicht mehr aktiv gewesen, dass auf dem Vulkan ein dichter Nebelwald gewachsen ist, durch den wir eine kleine Wanderung (naja, es war eher ein Spaziergang) machten. Nebelwalderprobt, wie wir sind, konnte uns dieser Ausflug leider nicht wirklich begeistern.

Volcano Day III
Am dritten Tag fuhren wir zur Laguna de Apoyo. Dies ist ein riesiger Vulkankratersee – super sauber und super tief. Hier verbrachten wir den Tag im Wasser planschend in der Sonne liegend und Cocktail trinkend – wie im Urlaub.

Eine Insel mit zwei Bergen – Ometepe
(Linda:) Am Freitag verabschiedeten wir uns schweren Herzens von der liebgewonnen Stadt und machten uns auf den Weg nach Ometepe. Schon bei der Anreise nach Granada hatten wir den Nicaraguasee mit seiner Vulkaninsel gesehen und waren begeistert von dem riesigen See, der eher an ein Meer erinnert. Mal wieder dauerte die Reise, die auf der Karte wie ein Katzensprung aussah, fast einen ganzen Tag. Es ging damit los, dass der Bus viel seltener fuhr, als wir dachten und wir somit gleich mal zwei Stunden in der sengenden Hitze des Morgens auf die Abfahrt warten mussten. Christian entschied sich, die Zeit sinnvoll zu nutzen und sich beim Barbier um die Ecke die Haare schneiden zu lassen. Der junge Mann wirkte etwas überfordert und offensichtlich war er es auch. Naja, was kann man für ca. 1€ erwarten. Christian trägt seine Frisur mit Fassung. Nachdem ich mit der Nagelschere noch ein paar abstehende Büschel gekürzt habe, fällt es nicht mehr ganz so auf.

Mit dem Chickenbus ging es nach Rivas, von dort zur Fähre und dann über den See nach Ometepe. Die Insel sieht von Weitem ein bisschen aus wie Lummerland. Allerdings ist sie alles andere als klein. Tatsächlich waren wir nicht wirklich darauf vorbereitet, wie groß die Entfernungen sind. 45 Minuten dauerte die Taxifahrt zu unserer Unterkunft am anderen Ende der Insel. Dort wurden wir aber für die anstrengende Reise mehr als entschädigt. Man hatte einen wunderschöner Blick auf den See und den Vulkan „la Conception“, ein Infinitypool lud zum baden ein und unsere überaus günstige und geräumige Cabana hatte eine der besten Matratzen bisher. Wir genossen den Sonnenuntergang mit Cocktails (jaja, schon wieder) am Pool und gratulierten uns zu dieser hervorragenden Wahl.


Am nächsten Morgen starteten wir zu einer Kajaktour auf dem See und einem kleinen Fluss. 2,5 Stunden lang paddelten wir mit unserem Guide Brando übers Wasser und genossen die Stille, die nur von den Rufen verschiedener Vögel durchbrochen wurde. Brando setzte alles daran, für uns Kaimane aufzuspüren. Zweimal wurde er fündig.
Mittlerweile weiß ich ja, dass Kaimane Menschen nicht zum Fressen gern haben. Daher war ich relativ entspannt, fast sogar ein bisschen enttäuscht, als wir sie nur weit hinten im Dickicht erspähten. Die Fahrt zurück zum Bootsverleih brachte mich kräftemäßig ziemlich an meine Grenze. Die ganze Zeit wehte ein fieser Wind von schräg vorn. Am Ende schaffte ich es aber natürlich doch und wir verbrachten den Rest des Tages wieder am Pool.

An unserem vorletzten Tag auf der Insel machten wir eine Wanderung zu einem Wasserfall. Um diese Jahreszeit führt der Fluss zwar nicht gerade viel Wasser, aber die Fallhöhe ist dennoch beeindruckend. Zwei Mitarbeiter/Familienmitglieder des Hotels brachten uns mit Motorrollern zum Ausgangspunkt der Wanderung. Das ist eine tolle Art der Fortbewegung, die wir ja auch schon in Vietnam schätzen gelernt haben – man sitzt hinten drauf und kann trotzdem die Landschaft und das Leben der Menschen viel unmittelbarer beobachten, als im Auto oder Bus. Bei der Wanderung mussten wir feststellen, dass wir ganz schön aus der Form sind. Wir schafften es nur so gerade hin und zurück in den drei Stunden, bis wir wieder abgeholt werden sollten. Oben angekommen blieb aber immerhin noch Zeit für eine kurze Abkühlung im Wasserfall. Die beste Nachricht des Tages ist aber vielleicht, dass mein Knie die doch recht steile Wanderung ohne Probleme überstanden hat.

Die letzte Nacht auf der Insel verbrachten wir im zweitgrößten Ort, in Moyogalpa. Pizza, ein Stadtbummel und noch ein schöner Sonnenuntergang (der ist über dem See nicht weniger schön als am Meer) rundeten unseren Aufenthalt ab. Wir wären mal wieder gerne ein bisschen länger geblieben.

Tuesday Cruiseday – San Juan del Sur
Unser letztes Ziel in Nicaragua war der bei Touristen und Expats beliebte Ort San Juan del Sur am Pazifik. Zwar hat der Ort selbst keinen wirklichen Badestrand, aber es gibt mehrere Strände in der unmittelbaren Umgebung. Nach der Fähre und einer kurzen Taxifahrt dauerte es nur noch eine gute Stunde im staubigen Chickenbus, bis wir San Juan erreichten. Wir nutzen den Nachmittag zum Bummeln durch die Gassen des Ortes und für einen Abstecher an den Strand – dort trafen wir doch tatsächlich Janna von der Galapagoskreuzfahrt wieder. Sie war inzwischen in Kolumbien und auch in Panama und Costa Rica gewesen – wie klein die Welt mal wieder ist.
In Bocas del Toro wird am „Freaky Friday“ ordentlich gefeiert und hier in San Juan haben wir den „Sunday Funday“ knapp verpasst, dafür machten wir uns am Dienstag auf, zu unsererem ganz persönlichen „Tuesday Cruiseday“ auf einem Katamaran. Wir hatten mal wieder richtig Glück: Während das andere Boot, das zeitgleich ablegte, mit 35 Leuten gerammelt voll war, waren wir auf unserem Segelboot lediglich zu siebt plus drei Crewmitglieder. Der Kapitän steuerte das Boot, der 2. Kapitän kümmerte sich um das Segel und Amanda versorgte uns mit Mai Tais (jaja, schon wieder Cocktails, wir merken es selber 😉 ). Wir lagen vorne über dem Wasser auf einem Netz und genossen die Sonne, das Meer und den Wind, ein Delfin tauchte auch noch neben dem Boot auf – perfekt!
Nach einer Weile machten wir eine Pause in einer kleinen Bucht. Dort konnten wir vom Boot ins Wasser springen und an den Strand schwimmen. Später gab es bei einem kleinen Imbiss für uns zum ersten Mal „Ceviche“. „Ceviche“ ist eigentlich ein peruanisches Nationalgericht, aber auch in den von uns bereisten Ländern weit verbreitet. Es handelt sich dabei um marinierten rohen Fisch mit Limettensaft, Chili, rohen Zwiebeln und Kräutern. Daher war ich auch nicht sonderlich scharf darauf, das unbedingt zu probieren. Da ich aber beim Fisch im vergangenen halben Jahr schon die ein oder andere Überraschung erlebt hatte, versuchte ich mein Glück. Und siehe da: voll lecker! Gut gelaunt segelten wir noch bis zum Sonnenuntergang an der Küste entlang.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Shuttlebus unseres Hostels an den Maderas-Strand. Der Strand gefiel uns gut und wir wären gerne bis zum Nachmittag geblieben. Da es hier aber die ganze Zeit super windig ist, machte das einfach keinen Spaß. Sandig von allen Seiten fuhren wir daher schon mittags wieder zurück und verbrachten den Rest des letzten Tages in Nicaragua in San Juan del Sur.
Unser Plan, nach etwas Abwechslung ist auf jeden Fall aufgegangen. Nicaragua ist ein großartiges Reiseland und wir hatten 11 wunderbare Tage hier. Nun freuen wir uns aber auch wieder auf ein bisschen mehr grün und ein Wiedersehen mit den Faultieren.










































































