El Valle de Anton
Froh, die große, heiße Stadt hinter uns lassen zu können, nahmen wir direkt am nächsten Tag einen Bus nach El Valle de Anton. El Valle liegt etwas höher direkt in einem (vor langer Zeit erloschenen) Vulkankrater und es herrscht ein sehr angenehmes Klima. Wir wohnten im Casita de Don Daniel beim super herzlichen Ariel und seinem Hund Dogoloco. Ariel begrüßte uns mit Kaffee und Tee und sorgte auch sonst dafür, dass wir uns gleich wie zu Hause fühlten. Ich hatte mir aus San Blas eine kleine Magenverstimmung mitgebracht und so ließen wir es zunächst ruhig angehen. Der grüne Garten mit den überdachten Hängematten war perfekt dafür.

Am Mittwoch besuchten wir die heißen Quellen mit Thermalwasser, einschließlich Gesichtsmaske. Am Donnerstag wollten wir endlich mal wieder ein bisschen aktiv sein und machten uns auf zu einer kleinen Wanderung. Entlang eines Flusses mit mehreren Wasserfällen ging es hoch zur „India Dormida“. Ein Teil des Kraterrandes sieht vom Ort aus so aus, als würde eine Frau schlafend auf dem Rücken liegen, während der dichte Wald am Kopf ihre wallenden Haare darstellt. Der Legende nach, nahm sich eine indianische Jungfrau das Leben, nachdem ihr Vater ihr verboten hatte, ihre große Liebe zu heiraten. Sie soll im Berg begraben liegen, woraufhin dieser ihre Form annahm.

Zunächst wanderten wir eine ganze Weile durch dichten Wald, begleitet vom Zirpen irgendwelcher Insekten, das wir zunächst für Motorsägen hielten und das auch ähnlich nervig war. Irgendwann ging es steiler bergauf und der Wald lichtete sich. Plötzlich stand man auf dem baumlosen Kraterrand und konnte ins Tal hinab und auf der anderen Seite bis zum Pazifik blicken.

Wir entschieden uns, noch ein Stück auf dem Rand entlang zu wandern, und an anderer Stelle den Abstieg zu wählen. Leider machte sich mein Knie (das mir schon beim letzten Tag des Quilotoa-Loops Probleme bereitet hatte) wieder bemerkbar. Ich hoffe, dass es sich bald ganz erholt, denn wir wollen definitiv noch ein bisschen mehr wandern auf dieser Reise. Nachmittags radelten wir mit Ariels Fahrrädern zum Supermarkt, um uns für unseren nächsten Stop mit Grundnahrungsmittel einzudecken. Den Abend verbrachten wir mit der netten Österreicherin Theresa, die mit ihren drei Kindern (2, 4 und 6) alleine durch Panama reist.

Santa Catalina

Am Freitag brachte uns Ariel morgens um 7:00 Uhr zum Bus. Mit 4 verschiedenen Bussen fuhren wir von El Valle nach Santa Catalina an die Pazifikküste. Alle Anschlüsse klappten widererwartend richtig gut uns so kamen wir bereits um 13:30 Uhr in Santa Catalina an. Der Ort ist ein ehemaliges Fischerdorf, das vor Jahren von einigen Surfern entdeckt wurde und mittlerweile bei Touristen beliebt ist. Trotzdem geht es hier noch reichlich gemächlich zu – nicht mal einen Geldautomaten gibt es. Wir wohnten im „Rancho Estero“, das die deutsche Elli und ihr baskischer Mann managen. Sie wohnen mit ihrem knapp 2jährigen Sohn Julen selbst auf dem Gelände und waren super nett. 4 Bambus- und 2 Holzhütten bieten einen schönen Blick aufs Meer und den Strand und einige Hängematten laden zum Abhängen ein. Schnell war uns klar – hier bleiben wir eine Weile. Aus geplanten 4 Tagen wurde dann eine ganze Woche. Wir verbrachten unsere Tage mit lesen, baden, aufs Meer gucken und Christian auch mit surfen. Abends bekochten wir uns in der Outdoorküche oder wir gingen mit unseren Mitgästen Manuel und Patrizia aus Madrid essen. Nachts blickten wir in den traumhaften Sternenhimmel und warteten auf Sternschnuppen.
Für Abwechslung sorgten in der Woche zwei Ausflüge.
Isla Coiba
Von Santa Catalina aus, kann man den Nationalpark Isla de Coiba (eine ehemalige Gefängnisinsel) erreichen. Der Nationalpark ist vor allem für seine Unterwasserwelt bekannt. Daher buchten wir für Montag einen Schnorchelausflug. 1,5 Stunden fuhren wir mit einem kleinen Boot, ehe wir den ersten Schnorchelspot erreichten. Unterwegs entdeckte unser Kapitän Delfine im Wasser und wir fuhren hin und beobachteten sie eine Weile. Man könnte ja denken, dass wir mittlerweile verwöhnt sind, und so ein Erlebnis nicht mehr zu schätzen wissen, aber es ist einfach nur toll und ich kriege jedes Mal eine Gänsehaut, wenn man das Glück hat, diese wunderschönen Tieren zu sehen. Wir sollten beim Schnorcheln im Wasser nahe beim Guide bleiben und umrundeten gemeinsam mit ihm eine kleine Insel. Es gab auch tatsächlich viele Fische und Korallen zu sehen. Leider war der Guide allerdings ziemlich schnell unterwegs und die Strömung auch recht stark, so dass wir nicht länger an einem Ort verweilen konnten. Ich würde ja beim Schnorcheln häufig viel lieber an einer Stelle bleiben und den Fischen länger zuschauen. Wenn man eine schöne Stelle gefunden hat, ist das besser als jedes Aquarium. Da muss ich eigentlich gar nicht unbedingt weiter schwimmen. Manchmal sieht man dann natürlich auch noch tolle andere Sachen, aber gerade heute, war es eigentlich am Anfang am schönsten. Auch der zweite Schnorchelgang war schön, aber zu kurz und etwas zu hektisch. Neben zwei Weißspitzenriffhaien sahen wir etliche Schwärme verschiedenster Fische (zum Beispiel Hornhechte) und auch unseren geliebten Pufferfisch. Anschließend ging es zu einem schönen weißen Sandstrand auf eine Insel, auf der Krokodile leben. Gott sei dank liegen die tagsüber nur faul im Fluss rum und schwimmen nur nachts ins Meer raus.

Kleine Haie machen mir überhaupt nichts aus, aber Krokodile jagen mir richtig Angst ein. Vielleicht liegt es daran, dass sie so urzeitlich sind oder es ist mehr die Tatsache, dass man weder an Land NOCH im Wasser vor ihnen sicher wäre – ich weiß es nicht. Wir hätten die gute halbe Stunde auf der Insel auf jeden Fall lieber zum Schnorcheln genutzt. Nach dem Mittagessen an der Rangerstation auf Coiba musste die 10köpfige Gruppe sich dann entscheiden: a) wie vorher geplant weiter an einen Strand fahren, wo man ziemlich sicher Schildkröten sehen kann, um dort zu schnorcheln oder b) in die Nähe des ersten Spots zurück fahren, weil dort kurz vorher Walhaie gesehen wurden, die möglicherweise noch da wären. Aus zwei Gründen war ich sofort Feuer und Flamme für Variante b! Zum Einen, haben wir auf unserer Galapagostour so ausgiebig mit Wasserschildkröten geschnorchelt, dass mir klar war, das hier kann eh nicht mithalten und zum Anderen ist es schon ewig lange (ich glaube, seit mir 2007 mal jemand in Thailand von einem solchen Erlebnis berichtet hat) ein Traum von mir, mit einem Walhai zu schnorcheln. Die anderen der Gruppe waren eher unsicher, da es halt auch zwischen einer sicheren Angelegenheit und einer eher unwahrscheinlichen Möglichkeit zu entscheiden galt. Im Prinzip stand es am Ende 5 zu 5. Zum Glück hatten wir die beiden Spanier, Patrizia und Manuel als Dolmetscher dabei. Nach einem Gespräch mit dem Guide (der kein Wort englisch sprach) ergab sich Option c) Kurz an einen nahegelegenen Strand fahren um Schildkröten zu sehen und anschließend zu dem Felsen mit der Option auf Walhaie fahren. Damit waren alle einverstanden. Wir sahen auch tatsächlich kurz zwei Schildkröten, die sich aber (anderes als auf Galapagos) schnell verzogen, als sie uns bemerkten. Kurze Zeit später fuhren wir weiter. Schon von Weitem sahen wir mehrere Ausflugsboote und Schnorchler im Wasser. Und tatsächlich: die Walhaie waren noch dort. So schnell ich konnte, zog ich meine Flossen an, setzte die Taucherbrille auf und sprang ins Wasser. Ich schwamm total aufgeregt auf die Gruppe von Menschen zu, die mir entgegen schwamm und etwas im Wasser zu folgen schien. Da tauchte er vor mir auf! Ein Walhai schwamm mit geöffnetem Maul direkt auf mich zu – ein absolutes Gänsehautfeeling. Insgesamt drei der Planktonfresser schwammen mit ihren weit geöffneten Mäulern um uns herum und filterten das Wasser auf der Suche nach Futter. Immer wieder verschwanden sie im tiefen blauen Wasser, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Zusätzlich entdeckten wir noch einen Mantarochen – die hatten wir vorher auch schon aus dem Wasser springen sehen. Absolut selig kletterten wir zurück ins Boot und genossen die anschließende Fahrt zurück nach Santa Catalina.
SUP-Tour durch die Mangroven

Ein wunderbares Erlebnis war auch unsere Stand-up-paddeling-Tour durch einen Mangrovenwald. Noch während der Morgendämmerung um 6:00 Uhr wurden wir von unserem Guide Matt abgeholt, tatsächlich waren wir die einzigen Teilnehmer. Nach einer 45minütigen Fahrt erreichten wir das winzige Fischerdorf El Banco. Die Sonne war zwar bereits aufgegangen, aber sie stand noch tief und das Morgenlicht sorgte für eine tolle Atmosphäre. Wir paddelten vom „Hafen“ in der Flussmündung los und genossen die Stille, nur unterbrochen von den Rufen der Vögel um uns herum. Das SUP ist das perfekte Fortbewegungsmittel für eine Fahrt durch die Mangroven. Wir glitten nahezu geräuschlos mit der Flut immer tiefer in die enger werdenden Flussarme und zwischen den Mangroven hindurch. Weit und breit war außer uns dreien keine Menschenseele zu hören oder zu sehen. Unendlich friedlich. Zwar sahen wir außer einigen Meeresvögeln, Krabben und Spinnen keine Tiere, aber das machte gar nichts, der Ausflug war auch so schon beeindruckend genug. Auf dem Rückweg, für den wir die einsetzende Ebbe nutzten, machten wir einen Stopp an einem einsamen Strand. Für das perfekte Robinson-Crusoe-feeling öffnete Matt dann noch eine Kokosnuss für uns.

Nach der schönen Woche konnten wir uns nur schwer vom „Rancho Estero“ mit seinen netten Gastgebern, anderen Langzeitgästen und den Hängematten mit Meerblick trennen, aber irgendwann muss es ja auch mal weitergehen. Ein bisschen was von Panama wollen wir schon noch sehen.



































