

Christian: Irgendwie war ich total neugierig auf Gibraltar. Natürlich war mir das Land als sicherer Punktelieferant für die deutsche oder italienische Fußballnationalmannschaft in den EM- oder WM-Qualifikationen bekannt. Darüber hinaus hat Gibraltar aber auch eine faszinierende Geschichte. Seit 1704 ist dieser Zipfel britisches Überseegebiet. Nicht viel mehr als ein Felsen und ca. 35.000 Einwohner und doch ständiger Streitpunkt zwischen Spanien und Großbritannien. Ein Stück England kurz vor Marokko: Bobbies patroullieren durch die Straßen, Pubs verkaufen Fish and Chips und gesprochen wird Englisch. Und doch: Die Sonne scheint das ganze Jahr, gefahren wird rechts und der Großteil der Gibraltarer ist gegen den Brexit (obwohl in mehreren Abstimmungen nahezu alle Menschen die Anbindung an GB einer spanischen Angliederung vorzogen). Dazu kommt eine gewisse Portion Eigenständigkeit mit einem nur hier gesprochenen Dialekt und eigener Währung.

Linda: Ich weiß gar nicht genau, was für eine Vorstellung ich von Gibraltar hatte. Man hört ja immer von dem „Felsen“ im Süden Spaniens, aber dass es sich tatsächlich um einen riesigen Felsen handelt, der auf einmal an der Küste aus dem Meer herausragt, war mir irgendwie nicht klar. Wir kamen bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen 26°C im spanischen La Linea an und der Blick auf Gibraltar war wirklich beeindruckend. Moby Dick ließen wir auf einem Stellplatz am Yachthafen und radelten rüber nach Gibraltar. Da der Platz rund um den Felsen ziemlich begrenzt ist, muss man auf dem Weg in die Stadt zunächst das Rollfeld des Flughafens passieren. Das war schon etwas seltsam.

Wir fuhren in dichtem Verkehr direkt zur Bodenstation der Seilbahn und entschieden uns dann für das (doch recht teure) Kombiticket für Seilbahn und Naturpark, mit dem man Zugang zu allen so genannten „Attraktionen“ auf dem Berg hat. Meine Höhenangst hatte ich auf der kurzen Fahrt nach oben zum Glück ganz gut im Griff. Gleich beim Aussteigen aus der Gondel wurden wir von zwei jungen Berberaffen begrüßt (der Felsen ist der einzige Ort, wo in Europa Affen in freier Wildbahn leben). Einer hangelte sich über den Rücken eines Mannes und versuchte einer anderen Touristin die Trinkflasche aus dem Rucksack zu klauen.

Der Blick vom Felsen auf die Straße von Gibraltar, die Stadt unter uns und den spanischen Küstenstreifen war wunderbar. Das gute Wetter trug zusätzlich zu unserer guten Laune bei. Durch die warmen Temperaturen, die Affen, die andere Sprache und die Vegetation auf dem Felsen, fühlten wir uns wie in eine ander Welt versetzt. Irgendwie komisch, dass Spanien nur einen Steinwurf entfernt war. Wir genossen einen herrlichen Nachmittag auf den Wanderwegen im Naturpark. Zwei Attraktionen haben es uns dabei besonders angetan. Die riesige Tropfsteinhöhle Saint Michaels Cave, die scheinbar auch für Konzerte genutzt wird, war wirklich beeindruckend.
Am meisten Zeit verbrachten wir aber mit den lustigen Affen. Überall auf dem Berg traf man auf sie. Wir hielten zwar immer einen gewissen Sicherheitsabstand – so ganz geheuer waren uns die recht zahmen Zeitgenossen irgendwie nicht – aber Christian schoss trotzdem unzählige Fotos von ihnen.

Da die Sonne sich langsam dem Horizont näherte, machten wir uns an den Abstieg. Unten in der „Main Street“ gab es für uns bei immer noch milden Temperaturen Burger und Bier vorm Pub, bevor wir über die Grenze zurück zu Moby Dick fuhren. Dort genossen wir vor dem Schlafengehen noch einmal den Blick auf den großen, im Dunkeln beleuchteten Felsen.























