Nachdem ich wieder halbwegs genesen war, stellten wir uns die Frage: Fahren wir nun direkt nach Porto oder machen wir nochmal einen Schlenker?
Wir entschieden uns für den Schlenker. Ausschlaggebend dafür war, dass wir die Band „Time for T“ auf dem „Suave Fest“ in Guimarães sehen wollten (das Internet macht‘s möglich, an solche Veranstaltungen zu kommen). Bis zum Wochenende hatten wir noch zwei Tage Zeit und so besuchten wir am Donnerstag Portugals größten Wochenmarkt in Barcelos. Wir ließen Kaninchen, Tauben, Enten und Hähne links liegen und deckten uns lieber mit frischem Obst und Gemüse ein.

Am Freitag fuhren wir nach Guimarães und genossen zwei herrliche Tage. Die mittelalterliche Altstadt gehört zum Unesco Weltkulturerbe und verströmt ein unheimlich tolles Flair. Unter sengender Hitze (so heiß hatten wir es bis dahin noch nicht) unternahmen wir ausführliche Streifzüge durch die geschichtsträchtigen Gassen der ersten Hauptstadt Portugals, wovon nicht zuletzt ein riesiger Schriftzug an der Stadtmauer zeugt.

Am späten Abend dann begannen sich die bar- und restaurantumrankten Plätze zu füllen. Während die Portugiesen mit Kind und Kegel durch die Gegend flanierten, schlenderten wir in Richtung Suave-Fest. Tolle Stimmung, tolle Musik – eine grandiose Sommernacht!

Nach zwei langen Tagen in Guimarães, mit wenig Schlaf, entschieden wir uns dazu, ein paar Tage im Douro-Tal zu entspannen. Ziel war das kleine Weingut „Quinta da Padrela“ in der Nähe von Barcos, auf dem wir zunächst nur ein oder zwei Tage bleiben wollten. Als wir nach unserer Ankunft von einer der drei Inhaberinnen herzlichst begrüßt wurden, konnten wir unseren Augen und Ohren zunächst nicht recht trauen. Ein schöner Stellplatz in atemberaubender Umgebung, mit Dusche und Bad, mit Wifi und Weinprobe – alles vollkommen umsonst.

Das Winetasting bestand aus einer kleinen Tour samt jede Menge Infos über die Gegend und den Hof und einer Verköstigung des hauseigenen Olivenöls (köstlich!) und diverser Weine (auch köstlich). Für all das nahm sich „Manager“ Josè 2 Stunden Zeit. Dabei kamen wir ins Gespräch und fanden heraus, dass in zwei Tagen die Weinlese stattfinden sollte. Auf die Frage, ob man dabei nicht helfen könne, meinte Josè mit breitem Grinsen nur: „Of course, I will bring an extra pair of scissors…“.

So kam es, dass wir etwas länger als geplant blieben und am Tag vor der Weinlese eine Bootstour auf dem Douro unternahmen, vorbei an den unendlichen Weinhängen, gespickt mit dem ein oder anderen Olivenhain.

Am Mittwoch war dann Weinlese angesagt: Ein wenig ungläubig beäugt von den portugiesischen Erntehelfern, drückte uns Josè die Gartenscheren in die Hand. Von 10.00 bis 17 Uhr (mit 1h Pause; die „echten“ Erntehelfer, im Durchschnitt vielleicht 60Jahre alt (!) fingen schon um 7.30Uhr an) ernteten wir 190 von diesen Kisten.

Das macht insgesamt 4560Kg Trauben – ein Knochenjob, den die Portugiesen für 35-40Euro am Tag machen (müssen). Und trotzdem: Alle waren herzlich und zugewandt, freuten sich, wenn sie uns besonders „gute“ Trauben zum Naschen reichen konnten und es wurde jede Menge gelacht (wenn man sich nicht gerade über die Hitze oder den schmerzenden Rücken beklagte 😉 ).
Für uns war es eine einmalige Erfahrung! Hinzu kam, dass wir unglaublich viel über die Weinproduktion gelernt haben. Die Kellerei stand uns immer offen, um z.B. beim Pressen dabei zu sein oder einen Blick in die Tanks zu werfen. Josè erklärte uns die Arbeitsschritte und beantwortete geduldig all unsere Fragen. Nach vier Tagen auf „unserer“ Quinta da Padrela“ fiel der Abschied ein wenig schwer und sehr herzlich aus.




























