
An der Südalgarve steuerten wir als erstes einen Hippiecampingplatz in Nähe der Küste an. Gunnell und Henning hatten uns erzählt, dass sie dort Halt machen würden und wir fanden die Website des Campingplatzes auch ganz ansprechend. „It’s not for everyone! Camping Ingrina is an unspoilt, tranquil campsite hidden away […] for those who want to get away from it all and enjoy sea views, nature walks and peace and quiet“ hieß es dort. Klingt doch perfekt! Normalerweise freuen wir uns über Wifi auf den Stellplätzen – um Fotos hochzuladen, Blog zuschreiben, Stellplätze und Route zu recherchieren usw. Die Ankündigung „Also WiFi free* *not free WiFi“ sagte uns aber trotzdem irgendwie zu.
Am Campingplatz angekommen wurden wir von einem älteren Portugiesen mit Gipsarm freundlich begrüßt und kurze Zeit später entdeckten wir auch schon den Camper der Hildesheimer. Insgesamt fühlte ich mich auf dem Campingplatz nicht sehr wohl. Überall lag Müll/Schrott herum und es gab viele freilaufende Hunde deren Hinterlassenschaften niemand wegräumte. Gleichzeitig hatte der Campingplatz auch etwas von einem Abenteuerspielplatz: Ein alter Doppeldeckerreisebus war als Mietunterkunft ausgebaut, andere Wohnmobile schienen schon so lange dort zu stehen, dass sie mit ihrer Umgebung regelrecht verwachsen waren und der ein oder andere Bewohner lebt wohl auch schon recht lange dort. Wir machten es uns abends mit Gunnell, Henning und Karl gemütlich und Karl freute sich besonders über die Spaghetti-Bolognese, die Christian für uns kochte.
Am nächsten Tag war das Wetter durchwachsen und wir vertrieben uns die Zeit mit Uno spielen und Tagebuch schreiben. Der eigentlich traumhafte Blick aufs Meer verschwand allerdings leider im Dunst. Christian überlegte, wo man hier wohl Brot herbekäme und vermutete: „Hier gibt es doch bestimmt irgendjemanden, der selbst bäckt und das verkauft.“ Ich zweifelte das stark an, da die Leute doch eher verplant wirkten. Keine Stunde später kam auf einmal ein PKW angesaust und hielt direkt neben unseren Bussen. Der Fahrer stieg aus und rief uns auf Deutsch zu: „Wollt ihr Brot und Kuchen? Frisch gebacken. Alles Vollkorn, das Brot ist guter Roggensauerteig und der Kuchen aus Dinkelmehl mit Honig.“ – Unfassbar! Genau, wie Christian es vermutet hatte! Natürlich waren wir nach über drei Monaten ohne deutsche Bäckerkunst total heiß auf Roggensauerteigbrot. Der Apfel- und Pflaumenkuchen sah auch köstlich aus und so schlugen wir kräfig zu am Kofferraumverkaufstresen. Am Nachmittag brauchten wir dann alle doch noch mal Bewegung und machten einen schönen Strandspaziergang – immer voran Karl, der für uns die Wanderwegmarkierungen aufspürte.

Samstag verließen wir gemeinsam den Campingplatz und gingen auf die Suche nach den Fußabdrücken von echten Dinosauriern, die es ein paar Strände weiter zu bestaunen gab.

Nachdem wir uns von Gunnell und Familie verabschiedet hatten, fuhren wir zum Fort de Almadena. Das Fort liegt direkt auf einer Klippe und stammt aus maurischer Zeit. Oben angekommen merkte ich sofort, dass dies ein Ort war, der mir gefällt. Wir packten ein Picknick zusammen und kletterten auf das Dach des Forts. Zwar war man auch hier mal wieder nicht alleine, aber im Vergleich zu anderen Plätzen an der Algarve war es geradezu einsam. Wir genossen unseren Mittagsimbiss bei herrlichem Sonnenschein und einem Traumblick über die Küste und das Meer. Anschließend machte ich es mir mit einem Buch gemütlich, während Christain auf Fototour ging.

Da wir noch vor hatten in den Baumarkt (unsere große Gasflasche ist seit einiger Zeit leer) und zu Decathlon (ich habe mich entschlossen mir nun doch endlich einen Neoprenanzug zuzulegen) zu fahren, trennten wir uns schweren Herzens von diesem schönen Plätzchen und fuhren weiter die Küste entlang. Wir sollten dies noch bereuen – in Zukunft werden wir besonders schöne Plätze nicht so schnell verlassen.
In Lagos statteten wir dem Ponta da Piedade noch einen Besuch ab – super schön, aber mal wieder halt auch alles andere als einsam.

Abends wurde die Suche nach einem Platz für die Nacht zum ersten Mal etwas unangenehm: Hier an der Algarve sind Camper scheinbar nicht so gerne gesehen. Wir waren auf dem Weg zu einem in unserer App empfohlenen Platz, als uns die „Womo-Verbots-Schilder“ auffielen. Offiziell ist das Wildcampen in Portugal verboten und wird mal mehr mal weniger toleriert. Hier durften Womos nicht mal in den Ort hinein fahren. Da Moby Dick ja kein richtiges Womo ist, ist das für uns in der Regel kein Problem. Wir stehen beide gerne in der Natur und hinterlassen die Plätze natürlich sauber. Leider verhalten sich hier längst nicht alle so. Daher können wir es gut verstehen, dass Camper nicht überall gern gesehen sind. Da es inzwischen auch recht früh dunkel wird, erreichten wir den an und für sich schönen Platz erst in der Dämmerung. Ziemlich schnell war uns klar, dass wir nicht bleiben wollen, sondern es unangebracht fänden, hier zu nächtigen. Gunnell und Henning hatten in der Zwischenzeit ihr Lager am Fort aufgeschlagen und einen super Sonnenuntergang geboten bekommen. Wir waren leider zu weit entfernt und irrten immer noch auf der Suche nach einem Stellplatz umher. Mittlerweile war es stockdunkel und als uns das Navi dann auch noch mitten im Nirgendwo verkündete, wir wären am Ziel (einem privaten Stellplatz) angekommen, war ich kurz davor die Fassung zu verlieren. Letzten Endes erreichten wir aber doch noch den gesuchten Stellplatz, der sich als kleines Hippie-Paradies entpuppte. Und nach den Resten der Bolognese und einem Gläschen Rotwein war die Stimmung auch wieder hergestellt.

Am nächsten Morgen klingelte um halb acht der Wecker. Wir schlafen schon seit einiger Zeit echt lang morgens und vor acht sind wir schon ewig nicht mehr aufgestanden. Den Tee/Kaffee gab es im Thermobecher (eine Anschaffung aus England, die wir jeden Tag nutzen) für unterwegs, denn wir wollten in die Höhle von Benagil, die nur rund um Niedrigwasser zugänglich ist. Die Höhle liegt direkt neben dem Strand, ist aber nur übers Wasser zu erreichen. Man kann eines der Touriboote nehmen, hin schwimmen oder mit dem Paddelboot oder SUP hin paddeln. Wir entschieden uns für letzteres. Ein 2er-SUP sollte es werden. Auf dem Weg zum Wasser machten wir noch Witze darüber, ob das eine weise Entscheidung war oder ob Streit vorprogrammiert wäre. Letztendlich hatten wir einfach nur super viel Spaß mit dem SUP auf und im Wasser. Mein neuer Neo konnte direkt zeigen, was er kann. Wobei das Wasser tatsächlich gar nicht so kalt war, wie erwartet. Die Höhle ist wirklich der Hammer und super beeindruckend. So haben sich die unverschämten 30 Euro für eine Stunde mit dem SUP auf jeden Fall gelohnt. Und wir überlegen schon, wie wir noch ein aufblasbares SUP in Moby Dick unterbringen können (das kann man doch bestimmt in Italien auch noch gut gebrauchen..).

Wir hatten einen richtigen aktiv-Tag geplant und wollten direkt nach der Höhlentour eine Küstenwanderung anschließen. Ich war hoch motiviert – endlich mal wieder eine Wanderung vor Traumkulisse. Die Traumkulisse war tatsächlich gegeben: Der Küstenabschnitt zwischen Benagil und Praia de Marinha ist atemberaubend schön. Immer wieder frisst sich das Wasser von unten in den Fels und lässt die unwahrscheinlichsten Formationen, Tunnel und Löcher entstehen.

Der Strand von Marinha soll nicht umsonst einer der schönsten Portugals sein. Woher die Information stammte, man bräuchte zwei Stunden für die Strecke, wissen wir beide nicht mehr. Letztendlich waren wir nach weniger als einer am Ende des Weges angekommen. Ich brauchte eine Weile, um mich von der Enttäuschung zu erholen. Ich wäre wirklich gerne länger gewandert. Heute sollte es aber wohl nicht sein. Wir spazierten zurück und legten uns noch für ein Stündchen an den Strand – auch nicht schlecht! Abends steuerten wir einen Stellplatz im Hinterland, in Richtung des Bergörtchens Monchique an. Hier war alles sehr ordentlich und stand in ziemlichem Kontrast zu unseren zwei vorherigen Übernachtungsplätzen. Wehmütig dachte ich wieder an das Fort zurück, neben dem die Hildesheimer erneut ihr Lager aufgeschlagen hatten. Letztendlich war es aber doch ganz gemütlich und wir genossen den Komfort des Platzes und einen lauen Abend mit Blick auf die (noch aus dem letzten Jahr ziemlich verkohlten) Berge und einen beeindruckenden Vollmond.
Aus der geplanten Wanderung zu einer Klosterruine in den Bergen am nächsten Tag wurde nichts, da es ordentlich regnete. Stattdessen trafen wir Gunnell, Henning und Karl ein letztes Mal in einer kleinen Bucht, bevor sie nach Lissabon zurück und wir weiter nach Osten fuhren.
Nun stehen wir erneut auf einem hippiesken Stellplatz. Ein paar französische Althippies bewirtschaften hier in einer Kooperative ein Stückchen Land und lassen auf ihrem Hof Camper übernachten. Es gibt Komposttoiletten und einen frechen Hahn. Da mich eine Erkältung erwisch hat, machte Christian einen Radausflug in die Ria Formosa alleine (ein paar Flamingos waren auch da) und ich genoss die Ruhe auf dem Hof.





















