In einem viertel Jahr auf dem Balkan (zu meiner Überraschung gehört Griechenland auch dazu – aber irgendwie klar, wenn man sich die Landkarte anguckt) waren wir natürlich auch immer mal wieder essen und haben einen Einblick in die regionale Küche bekommen. Obwohl wir insgesamt 7 der 9 Balkanländer bereist haben, unterschied sie sich erstaunlich wenig, der allgegenwärtige Rakija ist da nur ein Beispiel.
Unsere Reise ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt, und meine Beobachtungen und Erfahrungen erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Soviel schon mal vorweg, denn ich muss leider sagen, so richtig warm oder glücklich geworden bin ich mit dem Essen nicht.
Die Küche in allen von uns bereisten Ländern ist fürchterlich fleischlastig. Und auch wenn ausnahmslos alle Länder sich selbst für ihr tolles Gemüse preisen (das man auf den lokalen Märkten auch tatsächlich kaufen kann), spiegelt sich dies leider nicht in den angebotenen Speisen in den Restaurants wieder. Andererseits muss ich positiv hervorheben, dass es praktisch überall möglich war, etwas Vegetarisches auf der Karte zu finden. Jedoch wird gegrilltes Gemüse, wenn es immer nur Zucchini, Paprika und Aubergine (ohne Gewürze) sind, halt irgendwann langweilig. Oftmals gab es noch frittierten oder gegrillten weißen Käse dazu, immerhin. In Bulgarien ist man besonders stolz auf den Schopska-Salat, den es auch in anderen Balkanländern gibt. Der Salat ist eine abgespeckte Version des griechischen Salates: Gurken und Tomaten in größeren Stückchen übereinander geschichtet, teilweise mit Paprika und Zwiebeln dazu, darüber geriebener weißer (Schafs)Käse. Gegen den Salat ist überhaupt nichts einzuwenden und dank des frischen Gemüses schmeckte er auch in der Regel lecker – aber das als Landesspezialität erscheint mir dann doch etwas unspektakulär.


Ein Lichtblick war die kalte Suppe Tarator: im Prinzip ein verdünntes Tsatziki, das bei warmen Temperaturen sehr erfrischend sein kann. Überall bekam man außerdem eine lokale Variante von Börek – gefüllt mit Feta und/oder Spinat, ein fettiger aber gern genommener Snack für den Hunger zwischendurch.
Vor allem in Griechenland gab es häufiger auch ein breiteres Angebot: andere Gemüsesorten zum Beispiel serviert als „gekochter Salat“, verschiedene Zubereitungsarten von Fetakäse und gegrillte Austernpilze. Da wir keine „echten“ Vegetarier sind, gab es auch das ein oder andere Mal ein Moussaka für uns oder Fisch für Christian und in Bosnien und Herzogowina testeten wir die berühmten Cevapi (super fettig, zwar durchaus lecker aber nach so langer Fleischlosigkeit auch etwas gewöhnungsbedürftig und am Ende nicht gerade spektakulär).









Dennoch gab es auch ein paar Highlights. Das waren das ausgesprochen gute vegane Restaurant in Thessaloniki, eine kleine Taverna auf Chalkidiki, die wir mit Sarah besuchten, das vegane Restaurant in Zadar und die sehr gute neapolitanische Pizza in Tirana.





Mein Fazit: als VegetarierIn sollte man nicht fürs Essen auf den Balkan reisen, wird aber auch sicher nicht verhungern. Gut, wenn man wie ich einen exzellenten privaten Koch dabei hat


