
Christian: Wir sind wieder in Spanien, genauer in Andalusien an der Costa de la Luz. Zu Beginn unserer Zeit hier (und auch schon die letzten Tage in Portugal) hatten wir beide einen kleinen Hänger, tingelten recht plan- und motivationslos durch die Tage. Dies lag vor allem daran, dass wir angefangen hatten, unsere Süd- und Mittelamerikareise vorzubereiten. Ein Stellplatz für Moby Dick musste her, ein Hotel in Mailand gebucht werden. Dazu die ersten Blicke in den Ecuador-Reiseführer (die Vorfreude steigt übrigens). Es stellte sich ein bisschen das Gefühl ein, der erste Teil der Bullireise sei schon vorbei – dabei haben wir noch einen Monat. So hat es einige Tage gedauert, bis ein Stellplatz gefunden, ein Hotel gebucht und wir hier so richtig angekommen sind.

Geholfen dabei hat der Besuch des stimmungsvollen Cadiz. Ursprünglich als Tagesausflug geplant, blieben wir dann doch zwei Nächte. Die Altstadt ist im Prinzip komplett von Wasser umgeben und somit seit jeher gleich groß, bzw. klein. Faszinierend dabei finde ich, wie die Spuren der verschiedenen herrschenden Kulturen der vergangenen Jahrtausende (Cadiz ist die älteste Stadt Westeuropas) auf engstem Raum wiederzufinden sind. Maurische Tempel, römisches Theater, phönizische Sarkophage, christliche Kathedrale, imposante Festungen aus der Kolonialzeit – alles einen Steinwurf voneinander entfernt. Besonders Spaß gemacht hat die Walking Tour mit Guide Pablo. Die Zeit verging wie im Flug und es gab viele spannende Infos und Anekdoten über die Stadt. Ein Prachtboulevard am Strand, der an den Malecon in Havanna erinnert, eine lebendige Gastroszene und ein Stellplatz direkt am Wasser ließen uns an der Costa de la Luz ankommen.

Linda: Ein Highlight von Andalusien sollen die „weißen Dörfer – pueblos blancos“ sein. Die konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Dafür fuhren wir ein Stück ins Hinterland, übernachteten auf einem Pferdehof (die Andalusischen Pferde sind natürlich auch ein Highlight der Region – aber dazu später mehr) und fuhren am nächsten Tag weiter in die Berge. Ein ganz besonders schönes weißes Dorf, Grazalema, sollte es dort zu sehen geben. Immerhin bis auf 1300 Meter ging es hoch. Und plötzlich war vom eigentlich schönen Wetter nichts mehr übrig. Nachts war es bereits ziemlich kalt gewesen und nun waren es auf einmal 8°C und es regnete! Unfassbar!! Wir mussten nicht lange überlegen, sondern traten direkt den Rückzug an. Am nächsten Tag bekamen wir dann doch noch bei wechselhaftem Wetter zwei wirklich schöne weiße Dörfer (eigentlich sind es eher Kleinstädte) zu sehen.

Arcos de la Frontera 
Vejer de la Frontera
Wir streiften durch enge Gassen, genossen die gemütliche, ursprüngliche Atmosphäre und die maurische Architektur und waren nun doch ganz froh, diesen Ausflug ins Hinterland gemacht zu haben. In Arcos de la Frontera gab es leider eine nicht so schöne Entdeckung: Auf der wunderschönen Aussichtsplattform vor der Kirche hatte ein Falkner sein Lager aufgeschlagen und die Touristen konnten sich für ein Trinkgeld diverse Greifvögel für ein Foto auf die Hand setzen lassen. Ein Milan versuchte immer wieder wegzufliegen, war aber fürchterlich kurz angebunden und hing dann flügelschlagend kopfüber von der Stange, bis der Besitzer ihn wieder darauf setzte. Das war wirklich gruselig und hat mich richtig traurig gemach.

Mascota 
Candela
Wieder an der Küste blieben wir für 5 Nächte auf einem Campingplatz in Zahora. Ich hatte mich zum Reiten angemeldet. Die junge Schweizerin, dem der Hof gehört, wollte mich jedoch nur auf einen Schrittausritt mitnehmen, da meine aktive Reiterzeit ja schon etwas her ist. Sie und ihr Freund haben einen sehr tierorientierten Ansatz, was mir sehr gut gefiel und weshalb ich mich entschloss, den Ausritt trotzdem mitzumachen. Die Pferde werden gebisslos geritten und reagieren überwiegend auf verbale Signale. Das fand ich wirklich spannend und es funktionierte auch erstaunlich gut. Gemeinsam mit einem älteren deutschen Ehepaar durfte ich mein Pferd zuerst selbst putzen und mich mit ihm vertraut machen. Candela ist eine noch recht junge und agile Stute. Der Ausritt auf ihr machte richtig Spaß, auch wenn ich mir von der Landschaft im Parque Natural de Breña ein bisschen mehr versprochen hatte. Es ist um diese Jahreszeit natürlich alles sehr trocken und sieht daher teilweise etwas trostlos aus – der Preis des andauernden Sonnenscheins. Im Frühjahr muss es wunderbar grün und voller Blüten sein. Dafür war die Abendsonne aber herrlich.
Ganz verabschieden von dem Traum (ein Punkt auf meiner „Sabbatjahr-Bucketlist“), am Strand zu galoppieren, konnte ich mich aber noch nicht so ganz. Daher buchte ich einen weiteren Ausritt im Reitstall direkt neben dem Campingplatz. Auch hier spricht man Deutsch und auch hier wird gebisslos geritten. Insgesamt ging es aber ein bisschen entspannter zu. Daher durfte ich nach einer kurzen Einweisung gemeinsam mit einem 11 jährigen Mädchen aus Deutschland und unserem Guide Petra an den Strand reiten. Mein Pferd Mascota war das komplette Gegenteil von Candela, er hatte absolut die Ruhe weg und musste die ganze Zeit angetrieben werden. Irgendwie fand ich ihn aber richtig sympathisch. Leider war am Strand recht viel los und so kamen wir immer nur kurz dazu, aber hach, es war wirklich ein Traum im Abendlicht am Strand entlang zu galoppieren.
Christian kam auch auf seine Kosten. Zwei mal waren wir am Strand in El Palmar und er lieh sich ein Surfbrett während ich am Strand lag und las oder aufpasste, dass er im Wellengetümmel nicht verloren ging. In El Palmar sahen wir auch zwei wunderbare Sonnenuntergänge. Wir sind nicht ganz sicher, ob wir durch den Namen der Küste und die Beschreibungen im Reiseführer: „… das als einzigartig beschriebene Licht…“ , „…das besondere Licht“ voreingenommen sind, aber wenn es um das (Abend-)Licht hier an der Costa de la Luz geht, sind wir beide ziemlich begeistert. Irgendwie ist es tatsächlich besonders. Vielleicht liegt es daran, dass abends immer ein ganz dünner Schleier über der Sonne zu liegen scheint, der wie ein Weichzeichner wirkt. Auf jeden Fall geriet besonders Christian bei den Sonnenuntergängen in El Palmar regelrecht ins Schwärmen.

Christian: Tarifa, 15km von Afrika, fast 1200km von Barcelona entfernt; dort wo Atlantischer Ozean und Mittelmeer sich in der Straße von Gibraltar treffen. Hier starteten wir einen zweiten Versuch, einen meiner großen Wünsche zu erfüllen: Wale in freier Wildbahn zu beobachten. Mit nicht allzu viel Hoffnung (lasen wir doch vorher, dass es nicht die beste Jahreszeit für Sichtungen ist) buchten wir einen Trip mit der Organisation firmm. Das ist eine Schweizer non-profit Organisation, die sich für den Meeres-, Wal-, und Delfinschutz einsetzt. Im Vergleich zu unserem Trip in der Cardigan Bay in Wales war die Organisation und der Andrang schon eine andere Hausnummer. Wir verteilten uns, gemeinsam mit ca. 50 anderen Touris auf dem Deck der „Vision“ und schon legte das Boot ab in die Straße von Gibraltar. Die ersten 20 Minuten passierte nicht viel, außer dass wir uns die Sonne auf die Nase scheinen und den Wind durch die Haare wehen ließen. Plötzlich die Ansage über die Lautsprecher: „Wir haben einen „blow“ auf 11Uhr. Wie auf Kommando stürmten ALLE Gäste auf die linke Seite, überlegten kurz, wo ist denn jetzt 11Uhr und blickten, die Kameras gezückt, aufs Meer in Richtung Afrika. Und tatsächlich: In der Ferne sah man einen Pottwal, der immer wieder Fontänen ausstieß. Wir schipperten vorsichtig näher und schon hob sich der massige Körper ein wenig und Stück für Stück begab sich der Riese zurück in die Tiefe.

Scheinbar hatten wir unwahrscheinliches Glück – eigentlich sollten die Pottwale schon längst nicht mehr in der Straße von Gibraltar zu finden sein – schon jetzt hatte sich der Trip gelohnt. Kurze Zeit später hieß es wieder: Ein Pottwal wurde gesichtet! Diesen habe ich leider nicht gesehen, da er noch zu weit weg und bereits abgetaucht war (Pottwale bleiben 10-15 Minuten an der Oberfläche und pumpen sich mit Luft voll, bevor sie dann für bis zu 80 Minuten abtauchen). Das Grinsen immer noch im Gesicht, setzten wir uns wieder hin, als auch schon die nächste Ansage kam: „Grindwale auf 10Uhr.“ Mehrere Minuten begleiteten wir verschiedene Gruppen von Grindwalen, die dem Boot sehr nahe kamen. Es vergingen kaum 5 Minuten ohne Sichtung. Wir beobachteten gerade mehrere große Tümmler, die unseren Weg kreuzten, als der Kapitän plötzlich Vollgas gab: „Wir haben noch einen „blow“ gesehen“ hieß es. Nach kurzer Zeit war der „blow“ für alle mehr als deutlich zu sehen. Ein 18m langer Pottwal ließ uns einige Minuten zuschauen, wie er Luft holte und dann ganz gemächlich abtauchte – ein wahres Naturschauspiel! Die Crew war sehr erstaunt – drei Pottwale Ende Oktober auf einer Tour – wir total happy.

Aber damit noch nicht genug. Eine große Schule kleiner Delfine (mit Babydelfin) wollte sich noch zeigen und flitzte ohne Ende um unser Boot herum und an uns vorbei. Nach fast 2 Stunden machten wir uns dann auf den Rückweg nach Tarifa – wie um uns zu verabschieden, schwammen noch einige Grindwale und Tümmler an uns vorbei.

Wieder am Hafen gab es die Möglichkeit an einer 30 minütigen Infoveranstaltung teilzunehmen, in der es weitere Informationen über die Wale und die Straße von Gibraltar gab. Ich finde es immer wieder sehr beeindruckend, wenn man sieht, wie jemand seinen Job mit Leib und Seele ausfüllt. Edeltraut von firmm (und auch anderen Mitarbeitern) merkte man an, sie sind Feuer und Flamme für ihre Sache, den Tierschutz. Mit viel Überzeugung und Liebe, ganz ohne erhobenen Zeigefinger zeigte sie uns was für schöne und soziale Tiere „ihre Schützlinge“ und wie dramatisch ihre Lebensbedingungen sind: Delfine landen als Beifang bei den Thunfisch-Fischern (dabei ist der Thunfisch selbst schon total überfischt), Finnwale verhungern durch Plastik, das in den Meeren schwimmt und dann in ihrem Magen landet. Die Artenvielfalt in der Straße von Gibraltar und der Bestand der einzelnen Arten gehen seit Jahren zurück. Der Vortrag hat uns sehr bewegt, hatten wir doch eben noch die bedrohten Tiere frei erleben dürfen.
(Für Interessierte: Wir haben im firmm-Büro einen Flyer zu einem Buch gefunden. Wir konnten leider noch nicht reinlesen, da nur der Flyer auslag, aber es klingt sehr interessant: „Kids for the ocean“ von Anne Mäusbacher)

Insgesamt ist die Costa de la Luz eine große Entdeckung für uns. Hatten wir vorher noch nicht von ihr gehört, hat sie uns mit ihrer Vielfalt und natürlich dem einzigartigen Licht 😉 begeistert.












































