Der Straßenverkehr in Italien unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht grundsätzlich von dem deutschen. Auf den ersten Blick wirkt das Durcheinander auf den Straßen vor allem chaotisch und vielleicht sogar ein bisschen beängstigend. Und es ist mit Sicherheit so, dass das sichere Fahren auf italienischen Straßen etwas mehr Konzentration und Voraussicht erfordert, als in Deutschland. Regeln werden großzügig ausgelegt und es gilt vielfach das Recht des Schnelleren – wer z.B. als Fußgänger verzagt am Rand steht – kann lange darauf warten, vorübergelassen zu werden. Geht man aber zuversichtlich einfach los, kommt man sicher auf die andere Seite. Gleichzeitig spielt ein kleiner Blechschaden nur eine untergeordnete Rolle. Da beobachtet man schon mal jemanden, der in eine ziemlich kleine Parklücke mit der Technik „Wenn es rummst noch ein Meter.“ einparkt, und es ruft sicher keiner deshalb die Polizei. Am Auffälligsten ist für mich aber seit unserer ersten Italienreise der Einsatz der Hupe. In Deutschland hat ihr Klang immer auch etwas Drohendes oder Genervtes. Ganz anders in Italien. Hier heißt sie meist so etwas wie „Achtung, ich überhole dich gleich!“ oder vor einer engen Kurve „Achtung, ich komme“. Ganz neu war für mich aber die Bedeutung „Lass dir Zeit!“. Als wir in Apulien ein Picknick auf einer kleinen Seitenstraße (nicht viel mehr als ein Feldweg) machten, war ich gerade im Bulli, um etwas zu holen, als ein Auto sich von hinten näherte. Der Autofahrer (ein älterer Mann) hupte. Woraufhin ich (typisch deutsch) dachte „Ist doch gut, Christian hat dich doch längst gesehen und macht Platz“. Was er aber tatsächlich zu verstehen geben wollte, war „alles in Ordnung, mach ganz in Ruhe!“. Während Christian unsere Picknickdecke beiseite räumte, hupte der Mann noch mehrmals. Was er damit sagen wollte war: „Es reicht, ich komme vorbei.“, woraufhin er halb übers Feld an Christian vorbei fuhr.



